Vor 15 Jahren verschwand die Buslinie 102 aus dem Seetal
- Marco Marti

- 9. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Juli
Hochdorf. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 verschwand im Luzerner Seetal eine Buslinie, die heute von vielen bereits vergessen wurde: die Buslinie 102 zwischen Hitzkirch und Kleinwangen. Früher wurde die Verbindung bei den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) als Linie 2 geführt. Mit der späteren Umstellung des Liniennummernsystems wurde daraus die Linie 102, welche dem Fahrplanfeld 60.102 zugeordnet war.
Während die Einstellung damals vor allem als wirtschaftliche Entscheidung betrachtet wurde, sind die Auswirkungen bis heute spürbar – insbesondere in kleineren Ortschaften wie Lieli oder Teilen von Sulz, die seither praktisch ohne reguläre ÖV-Anbindung dastehen.
Die ehemalige Linie verband zahlreiche Dörfer entlang des Lindenbergs mit dem Zentrum von Hitzkirch und stellte für viele Einwohner eine wichtige Verbindung innerhalb des Seetals dar. Bedient wurden folgende Haltestellen:
Hitzkirch Bahnhof
Hitzkirch Friedhof
Hitzkirch Dorf/Post
Gelfingen Bäckerei
Gelfingen Schloss Heidegg
Sulz Unterdorf
Sulz Oberdorf
Sulz Chlotisberg
Lieli Gölpi
Lieli Dorf
Lieli Hubelweid
Kleinwangen Oberdorf
Kleinwangen Post
Die Strecke führte durch ländliche Gebiete, welche schon damals nur schwach erschlossen waren. Gerade für ältere Menschen, Schülerinnen und Schüler oder Personen ohne eigenes Auto spielte die Linie eine wichtige Rolle im Alltag. Gleichzeitig galt die Verbindung seit Jahren als finanziell problematisch.
Bereits Anfang 2011 kündigte der damalige Verkehrsverbund Luzern an, dass die Linie eingestellt werden soll. Grund dafür war die stetig sinkende Nachfrage. Die Buslinie erreichte den gesetzlich vorgeschriebenen Kostendeckungsgrad von mindestens 20 Prozent nicht mehr. Zuletzt lag dieser nur noch bei rund 18 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete die Verbindung mit rund 47'000 Fahrgästen pro Jahr die tiefste Nachfrage aller damaligen ZVB-Linien im Seetal.
Besonders schwach genutzt waren einzelne Streckenabschnitte. Zwischen Sulz und Lieli benutzten durchschnittlich nur ein bis zwei Personen den Bus, zwischen Lieli und Kleinwangen waren es zwei bis drei Fahrgäste. Aus Sicht des Verkehrsverbunds war ein Weiterbetrieb deshalb wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 wurde die Linie schliesslich eingestellt. Der Schülerverkehr wurde anschliessend von den Gemeinden Hitzkirch und Hohenrain mit eigenen Schulbussen organisiert. Für die regulären Fahrgäste bedeutete dies jedoch das Ende der direkten Busverbindung.
Vor allem für Lieli und Sulz hatte die Einstellung langfristige Folgen. Seit dem Ende der Linie verfügt das Dorf praktisch über keine reguläre Anbindung an den öffentlichen Verkehr mehr. Während andere Regionen im Seetal in den vergangenen Jahren von neuen Buskonzepten und Angebotsausbauten profitieren konnten, blieben kleinere Ortsteile am Lindenberg zunehmend abgehängt.
Immer wieder sorgte dies in den vergangenen Jahren für Diskussionen. In verschiedenen Fahrplanverfahren forderten Einwohner sowie Gemeinden eine Rückkehr des öffentlichen Verkehrs nach Lieli oder eine Einbindung in bestehende Buslinien.
Diskutiert wurde unter anderem eine Integration in die heutige Linie 101. Der Verkehrsverbund Luzern lehnte entsprechende Forderungen jedoch mehrfach ab. Als Gründe wurden hohe Kosten, längere Fahrzeiten sowie eine weiterhin ungenügende Wirtschaftlichkeit genannt.
Noch im Jahr 2018 hielt der Verkehrsverbund in einem Bericht fest, dass Lieli „bis vor wenigen Jahren“ noch durch die ehemalige Linie 102 erschlossen gewesen sei. Gleichzeitig wurde erneut darauf hingewiesen, dass die damalige Linie wegen mangelnder Nachfrage eingestellt werden musste.
Rückblickend zeigt die Geschichte der Linie 102 / 2 exemplarisch die Herausforderungen des öffentlichen Verkehrs in ländlichen Regionen. Während in Städten und Agglomerationen das Angebot stetig ausgebaut wird, kämpfen kleinere Dörfer oft um den Erhalt ihrer Grunderschliessung. Wirtschaftlichkeit, Nachfrage und politische Entscheidungen treffen dabei direkt auf die Bedürfnisse der Bevölkerung.
Heute – rund 15 Jahre nach der Einstellung – erinnert entlang der ehemaligen Strecke nur noch wenig an die einstige Buslinie zwischen Hitzkirch und Kleinwangen. Für viele Einwohner von Lieli oder Sulz bleibt sie jedoch bis heute ein Symbol dafür, wie schnell kleine Dörfer ihre Anbindung an den öffentlichen Verkehr verlieren können.
Auf dem damaligen Zonenplan / Liniennetzplan (Bild 1) aus dem Jahre 2009 sieht man die Linie 2 / 102 auch mit dem zugehörigen Fahrplan Feld 60.102. Dieses sieht man auch auf dem Fahrplanausschnitt (Bild 2) aus dem Fahrplanheft aus dem Jahre 2010.
Während im Seetal einzelne Buslinien verschwanden, blieb die Verbindung zwischen Hochdorf, Abtwil und Sins bis heute erhalten. Die Strecke entwickelte sich über die Jahre zu einer wichtigen regionalen ÖV-Verbindung zwischen dem Seetal und dem Freiamt.
Heute wird die Linie grösstenteils als Linie 347 geführt und von den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) beziehungsweise den Busbetrieben Seetal-Freiamt betrieben. Sie verbindet Sins mit Auw, Abtwil, Aettenschwil und Fenkrieden und erschliesst zahlreiche kleinere Dörfer und Weiler.
Die Linie bedient folgende Haltestellen:
Sins Bahnhof
Büel
Schulstrasse
Sonnhalde
Freudenberg
Freudenberg Wegkreuz
Altersheim
Unterdorf
Mitteldorf
Oberdorf
Oberalikon
Buchacher
Tönihof
Egg
Langegg
Hofmatt
Auwerstrasse
Aettenschwil Post
Aettenschwil Oberdorf
Chüttig
Kreuzstrasse
Linde
Fenkrieden Dorf
Besonders für Gemeinden ohne Bahnanschluss wie Abtwil bleibt die Buslinie bis heute wichtig. Viele Fahrgäste reisen über den Bahnhof Sins weiter Richtung Zug oder Luzern.
Im Gegensatz zur ehemaligen Linie 102 / 2 zwischen Hitzkirch und Kleinwangen konnte sich diese Verbindung bis heute halten und wurde in den vergangenen Jahren teilweise sogar ausgebaut.

Kommentare