125 Jahre Dampfschiff «Uri» – Historische Dampferparade begeistert heute tausende Zuschauer am Vierwaldstättersee
- Marco Marti

- vor 6 Tagen
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Luzern. Der Vierwaldstättersee stand heute ganz im Zeichen der historischen Dampfschifffahrt: Mit einer grossen Dampferparade feierte das traditionsreiche Dampfschiff «Uri» sein 125-jähriges Bestehen. Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer säumten die Uferpromenaden in Luzern, Weggis, Brunnen und weiteren Orten rund um den See, um das seltene Schauspiel mitzuerleben. Gleichzeitig blickt die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) nicht nur auf eine traditionsreiche Vergangenheit, sondern auch auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsjahr zurück.
Die Jubiläumsfeier zeigte eindrucksvoll, welche Bedeutung die historischen Dampfschiffe bis heute für die Zentralschweiz besitzen. Die Verbindung aus Geschichte, Technik, Tourismus und regionaler Identität macht die Dampfer auf dem Vierwaldstättersee zu einem einzigartigen Kulturgut, das weit über die Region hinaus bekannt ist.
Ein Jubiläum mit grosser Bedeutung
Das Dampfschiff «Uri» wurde am 8. Mai 1901 in Betrieb genommen und ist damit das älteste Schiff der heutigen SGV-Flotte. Benannt wurde das Schiff nach dem Kanton Uri, der seit Jahrhunderten eng mit der Geschichte des Vierwaldstättersees verbunden ist. Über Jahrzehnte hinweg transportierte die «Uri» unzählige Passagiere zwischen Luzern und den verschiedenen Seegemeinden und entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil des öffentlichen und touristischen Verkehrs in der Zentralschweiz.
Zum 125-Jahr-Jubiläum organisierte die SGV gemeinsam mit den Dampferfreunden Vierwaldstättersee heute eine besondere Dampferparade. Alle fünf historischen Raddampfer der Flotte – «Uri», «Schiller», «Gallia», «Unterwalden» und «Stadt Luzern» – versammelten sich zu einer gemeinsamen Fahrt auf dem Vierwaldstättersee. Bereits Wochen vor dem Anlass waren die Tickets restlos ausverkauft.
Schon am frühen Morgen herrschte rund um das Luzerner Seebecken reger Betrieb. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, die historischen Schiffe aus nächster Nähe zu fotografieren oder die festliche Stimmung am Quai zu geniessen. Als die fünf Dampfschiffe schliesslich beinahe gleichzeitig ablegten, bot sich ein eindrucksvolles Bild, das selbst langjährige Dampferfreunde nur selten erleben.
Ein technisches Meisterwerk aus der Belle Époque
Die «Uri» stammt aus einer Zeit, in der die Dampfschifffahrt auf Schweizer Seen ihren Höhepunkt erreichte. Um die Jahrhundertwende investierten viele Schifffahrtsgesellschaften in repräsentative Dampfschiffe, die nicht nur funktional, sondern auch luxuriös ausgestattet waren. Die Schiffe galten damals als Symbol für Fortschritt und wirtschaftlichen Aufschwung.
Bis heute beeindruckt die «Uri» mit ihrer klassischen Bauweise, den grossen Schaufelrädern und der historischen Dampfmaschine.
Besonders beliebt ist das Schiff bei Technik- und Eisenbahnfreunden, da der Betrieb der Dampfmaschinen noch immer teilweise öffentlich sichtbar ist. Der typische Klang der Maschinen und das rhythmische Schlagen der Schaufelräder verleihen den Fahrten einen einzigartigen Charakter, der sich deutlich von modernen Motorschiffen unterscheidet.
Im Laufe ihrer Geschichte wurde die «Uri» mehrfach renoviert und modernisiert. Ziel war es dabei stets, möglichst viel der historischen Substanz zu erhalten und gleichzeitig die heutigen Sicherheits- und Komfortstandards zu erfüllen. Dadurch konnte das Schiff bis heute im regulären Betrieb eingesetzt werden.
Begeisterung entlang des Seeufers
Die Dampferparade lockte heute nicht nur Fahrgäste an Bord, sondern auch zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer an die Ufer des Vierwaldstättersees. Besonders in Luzern, Küssnacht, Vitznau, Brunnen und Flüelen versammelten sich viele Menschen, um die historische Flotte zu beobachten.
Viele Besucher bezeichneten den Anlass als einmaliges Erlebnis. Vor allem die gemeinsame Fahrt aller fünf Dampfschiffe gilt als Seltenheit, da die historischen Schiffe im Alltag meist einzeln auf unterschiedlichen Kursen eingesetzt werden. Für Fotografen und Dampferliebhaber bot die Parade deshalb besondere Motive.
Auch Touristen aus dem Ausland zeigten grosses Interesse an der Veranstaltung. Die historischen Raddampfer zählen seit Jahren zu den bekanntesten touristischen Attraktionen der Zentralschweiz und prägen das internationale Bild des Vierwaldstättersees entscheidend mit. Besonders Gäste aus Asien, Deutschland und den USA verbinden die Region oft direkt mit den traditionellen Dampfschiffen und dem Panorama rund um Pilatus, Rigi und Bürgenstock.
Historische Schiffe als Kulturgut
Die fünf historischen Raddampfer der SGV besitzen heute einen hohen kulturellen Wert. Einige der Schiffe stehen sogar unter Denkmalschutz. Ihr langfristiger Erhalt gilt deshalb nicht nur als touristische Aufgabe, sondern auch als Beitrag zur Schweizer Industriekultur.
Der Unterhalt der historischen Dampfer ist allerdings aufwendig und kostenintensiv. Viele Ersatzteile müssen speziell angefertigt werden, da moderne Standardkomponenten für die alten Dampfmaschinen nicht mehr verwendet werden können. Zudem benötigen die Schiffe regelmässige Werftaufenthalte und technische Revisionen.
Die SGV investiert deshalb seit Jahren gezielt in den Erhalt der historischen Flotte. Unterstützt wird sie dabei unter anderem von Vereinen, Sponsoren und zahlreichen Dampferfreunden, die sich aktiv für den Fortbestand der Schiffe einsetzen. Ohne dieses Engagement wäre der Betrieb historischer Dampfschiffe im heutigen Alltag kaum mehr möglich.
SGV präsentiert starke Geschäftszahlen
Neben den Feierlichkeiten rund um die «Uri» konnte die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee auch wirtschaftlich positive Nachrichten vermelden. Die Unternehmensgruppe blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück und bleibt weiterhin auf stabilem Kurs.
Der Umsatz der SGV-Gruppe belief sich auf rund 91 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein Jahresgewinn von etwa 7,5 Millionen Franken. Damit konnte das Unternehmen erneut ein positives Ergebnis erzielen und die wirtschaftliche Erholung der vergangenen Jahre fortsetzen.
Besonders erfreulich entwickelte sich laut SGV die Nachfrage im touristischen Bereich. Erlebnisfahrten, Extrakurse und kulinarische Angebote auf dem Vierwaldstättersee erfreuen sich weiterhin grosser Beliebtheit. Auch internationale Gäste kehrten nach den schwierigen Pandemie-Jahren wieder verstärkt in die Region zurück.
Die SGV profitiert zudem davon, dass der Vierwaldstättersee sowohl für Touristinnen und Touristen als auch für die lokale Bevölkerung attraktiv bleibt. Neben klassischen Rundfahrten werden die Schiffe auch im Alltag als Verkehrsmittel zwischen verschiedenen Gemeinden genutzt.
Investitionen in die Zukunft
Trotz des positiven Geschäftsergebnisses steht die SGV weiterhin vor grossen Herausforderungen. Der Unterhalt der historischen Flotte, steigende Energiepreise sowie Investitionen in Infrastruktur und Werftanlagen verursachen hohe Kosten.
Die Gesellschaft plant deshalb umfangreiche Modernisierungen im Bereich der Werftinfrastruktur. Ziel ist es, die technischen Anlagen langfristig zu sichern und die Wartung der Schiffe effizienter zu gestalten. Gleichzeitig soll die historische Flotte weiterhin erhalten bleiben.
Auch Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die SGV beschäftigt sich seit einiger Zeit intensiv mit alternativen Antriebstechnologien und Möglichkeiten zur Reduktion des Energieverbrauchs. Während die historischen Dampfschiffe aus Gründen des Denkmalschutzes weiterhin mit Dampf betrieben werden, kommen bei neueren Schiffen teilweise modernere und umweltfreundlichere Technologien zum Einsatz.
Dampfschifffahrt bleibt ein Wahrzeichen der Zentralschweiz
Das Jubiläum der «Uri» machte heute deutlich, wie stark die Dampfschifffahrt mit der Geschichte und Identität der Zentralschweiz verbunden ist. Seit über einem Jahrhundert prägen die historischen Schiffe das Bild des Vierwaldstättersees und ziehen jährlich hunderttausende Besucherinnen und Besucher an.
Für viele Menschen sind die Dampfschiffe weit mehr als nur Transportmittel. Sie stehen für Nostalgie, Schweizer Tradition und technische Geschichte zugleich. Besonders die Kombination aus historischen Schiffen und der eindrucksvollen Berglandschaft rund um den Vierwaldstättersee macht die Region weltweit einzigartig.
Mit dem erfolgreichen Jubiläumsanlass und den positiven Geschäftszahlen blickt die SGV optimistisch in die Zukunft. Die historische Flotte soll auch in den kommenden Jahrzehnten ein zentraler Bestandteil des Tourismus und der regionalen Identität bleiben.
Die Dampferparade zum 125-Jahr-Jubiläum der «Uri» dürfte vielen Besucherinnen und Besuchern jedenfalls noch lange in Erinnerung bleiben – als eindrucksvolle Hommage an die Geschichte der Schweizer Dampfschifffahrt und als Zeichen dafür, dass Tradition und Moderne auf dem Vierwaldstättersee weiterhin erfolgreich zusammenspielen.

Das Bild zeigt die historische Dampfschiffparade mit den fünf denkmalgeschützten Schaufelraddampfern der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee, aufgenommen in Treib unterhalb von Seelisberg. Von links nach rechts sind folgende Schiffe zu sehen: DS Uri (Baujahr 1901), DS Unterwalden (Baujahr 1902), DS Gallia (Baujahr 1913), DS Schiller (Baujahr 1906) sowie DS Stadt Luzern (Baujahr 1928).
Aufgenommen wurde das Bild von Claudia Sidler von den Swiss Alpine Historic Trainspotters (SAHT). Die Bildbearbeitung erfolgte durch Mike Husi, Gründer der SAHT, der uns das Bild freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.



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