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29-Euro-GA für Deutsche und Franzosen – Schweizer schauen in die Röhre

Aktualisiert: 24. Juli

Zürich/Paris. Während Schweizer Jugendliche für ein Monats-GA tief in die Tasche greifen müssen, dürfen junge Menschen aus Frankreich und Teilen Deutschlands diesen Sommer praktisch zum Schnäppchenpreis durch die ganze Schweiz reisen. Das sorgt für Ärger – und wirft Fragen zur Fairness im öffentlichen Verkehr auf.


Ein Angebot der französischen Bahngesellschaft SNCF macht es möglich: Der sogenannte „Pass Jeune Grand Est Grenzenlos“ kostet lediglich 29 Euro pro Monat und erlaubt unter 28-Jährigen in den Monaten Juli und August unbegrenzte Fahrten im französischen Grand Est, in mehreren deutschen Grenzregionen – und sogar auf dem gesamten Schweizer ÖV-Netz.


Für viele klingt das wie ein Traum: freie Fahrt quer durch die Schweiz für weniger als 30 Euro. Doch es gibt einen entscheidenden Haken.


Schweizer ausgeschlossen

Wer in der Schweiz wohnt, darf das Angebot nicht nutzen. Auf der Website der SNCF wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Pass nur für junge Menschen aus der französischen Region Grand Est sowie aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland erhältlich ist.


Für Schweizerinnen und Schweizer unter 28 Jahren bleibt dagegen nur das reguläre Angebot: Das Jugend-GA kostet derzeit 260 Franken pro Monat.

Die Folge: Ein deutscher oder französischer Jugendlicher kann für rund 29 Franken einen Sommer lang die Schweiz mit Bahn, Bus und Schiff entdecken – während Gleichaltrige aus der Schweiz beinahe das Neunfache bezahlen müssen.


Unmut bei den Kundinnen und Kunden

In der Community der SBB sorgt die Regelung für heftige Diskussionen. Nutzerinnen und Nutzer sprechen von einem «de facto GA für 29 Euro» und fühlen sich gegenüber ausländischen Gästen benachteiligt.


Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen die ausländischen Jugendlichen als gegen die Tatsache, dass Schweizer Kundinnen und Kunden vom Angebot ausgeschlossen bleiben.

Ein Nutzer schreibt sinngemäss, man fühle sich «etwas ausgenommen», wenn die eigene Bevölkerung deutlich schlechter gestellt werde als Gäste aus dem Ausland.


Die Erklärung der Branche

Die Branchenorganisation Alliance SwissPass verweist darauf, dass es sich um einen zeitlich begrenzten Pilotversuch handle. Das Angebot basiere auf einer gegenseitigen Anerkennung bestehender Produkte.


Aus ihrer Sicht würden dabei zwei völlig unterschiedliche Systeme verglichen. Frankreich subventioniere den öffentlichen Verkehr für Jugendliche wesentlich stärker. Der Preis von 29 Euro sei deshalb eine politische Entscheidung und werde durch öffentliche Gelder mitgetragen.


In der Schweiz hingegen finanziere sich der öffentliche Verkehr zu einem erheblichen Teil über Ticket- und Aboeinnahmen. Würden vergleichbare Rabatte gewährt, entstünde laut Alliance SwissPass eine milliardenschwere Finanzierungslücke, die letztlich von den Steuerzahlenden getragen werden müsste.


Eine Frage der Fairness

Trotz dieser Erklärung bleibt bei vielen ein schaler Nachgeschmack. Denn die Diskussion dreht sich längst nicht mehr nur um Tarife und Finanzierung, sondern um ein Grundgefühl von Gleichbehandlung.


Warum sollen ausländische Jugendliche die Schweiz günstiger entdecken können als die eigenen jungen Einwohnerinnen und Einwohner?

Für die einen ist das ein gelungenes Beispiel europäischer Zusammenarbeit und touristischer Förderung. Für die anderen ein Symbol dafür, dass die Schweiz bei attraktiven Jugendangeboten den Anschluss verliert.


Fest steht: Der Sommer 2026 bringt nicht nur volle Züge, sondern auch eine Debatte darüber, wem die Mobilität in der Schweiz zu welchen Bedingungen offenstehen sollte.

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