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Nach 15 Jahren ist Schluss: Postauto stellt Gratis-WLAN ein

Bern. Für viele Fahrgäste gehörte es längst zum Alltag: Im Postauto noch schnell E-Mails abrufen, Nachrichten verschicken oder unterwegs Videos streamen – kostenlos über das bordeigene WLAN. Doch damit ist bald Schluss. Die PostAuto AG hat angekündigt, den Gratis-Internetzugang in ihren Fahrzeugen per Ende 2026 einzustellen. Die Entscheidung sorgt für Kritik und löst eine Debatte über den Service public im öffentlichen Verkehr aus.


Ein Pionier verabschiedet sich

Als PostAuto im Jahr 2012 als erstes grosses Schweizer ÖV-Unternehmen kostenloses WLAN einführte, galt das Angebot als innovativ. Mobiles Internet war damals teuer, Datenvolumen begrenzt und öffentliche WLAN-Zugänge rar.


Heute hat sich die Situation grundlegend verändert. Die meisten Fahrgäste verfügen über Mobilfunkabonnemente mit grosszügigen Datenpaketen oder sogar Flatrates. Entsprechend ist die Nutzung des Angebots deutlich zurückgegangen. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Nutzerzahlen halbiert. Gegenwärtig greifen laut PostAuto nur noch rund fünf Prozent der Fahrgäste regelmässig auf das Gratis-WLAN zurück.


Kostenfrage führt zum Aus

Die Entscheidung hat jedoch nicht nur mit veränderten Gewohnheiten zu tun, sondern auch mit der Finanzierung.


Bislang wurde die WLAN-Infrastruktur teilweise durch Bund und Kantone mitfinanziert, da sie auch für betriebliche Zwecke genutzt wurde. Über das Netzwerk liefen beispielsweise die Tablets der Fahrerinnen und Fahrer, mit denen betriebliche Informationen ausgetauscht wurden.


Inzwischen funktionieren diese Geräte direkt über das Mobilfunknetz. Damit gilt das WLAN nicht mehr als betriebsnotwendig. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) finanziert künftig nur noch Leistungen, die für den Betrieb zwingend erforderlich sind. Die Kosten für das WLAN müsste PostAuto deshalb vollständig selbst tragen – mehrere Hunderttausend Franken pro Jahr.


Kritik am Abbau des Service public

Nicht alle können die Entscheidung nachvollziehen. Im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» meldete sich ein Hörer zu Wort und sprach von einem weiteren Leistungsabbau im öffentlichen Verkehr. Besonders betroffen seien Schülerinnen und Schüler ohne unbegrenztes Datenabo, Personen mit knappen finanziellen Mitteln sowie Touristinnen und Touristen, die auf kostenlose Internetzugänge angewiesen seien.


Er kritisierte ein «merkwürdiges Verständnis von Service public» und fragte sich, weshalb ein wohlhabendes Land wie die Schweiz ein solches Angebot nicht aufrechterhalten könne.


Verständnis – aber keine Alternative

Erstaunlich offen zeigt sich PostAuto gegenüber dieser Kritik. Sprecherin Katharina Merkle räumt ein, dass der Entscheid dem Unternehmen nicht leichtgefallen sei.

«Das tut uns auch leid. Wir haben den Service sehr gerne angeboten», erklärte sie gegenüber SRF.

Angesichts der sinkenden Nutzung und der hohen Kosten habe man jedoch Prioritäten setzen müssen. Würde PostAuto das Angebot weiterhin finanzieren, müssten letztlich die Fahrgäste über höhere Ticketpreise dafür aufkommen.


Noch bis Ende 2026 verfügbar

Ganz verschwinden wird das WLAN allerdings nicht sofort. In den meisten bestehenden Fahrzeugen bleibt der kostenlose Zugang bis Ende 2026 verfügbar. Neue Postautos werden bereits heute ohne entsprechende Infrastruktur ausgeliefert. Ab Anfang 2027 dürfte das kostenlose Surfen in den gelben Bussen dann endgültig Geschichte sein.


Zwischen Sparzwang und Kundenservice

Die Abschaltung des Gratis-WLANs mag wirtschaftlich nachvollziehbar erscheinen. Dennoch steht sie sinnbildlich für eine grössere Frage: Wie viel Service darf der öffentliche Verkehr bieten – und was ist die Gesellschaft bereit, dafür zu bezahlen?


Für die einen ist die Streichung eine vernünftige Anpassung an die digitale Realität. Für die anderen bedeutet sie den Verlust eines kleinen, aber geschätzten Komforts, der den Alltag unterwegs ein Stück einfacher machte.


Fest steht: Wer künftig im Postauto online gehen möchte, sollte besser auf das eigene Datenabo zählen. Die Ära des kostenlosen WLANs nähert sich ihrem Ende.



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