Rund 100 Einsprachen gegen Verkehrsprojekt im Prättigau
Die neue Linienführung zwischen Fideris und Küblis soll Bahn und Strasse sicherer machen. Doch das 467,5 Millionen Franken teure Gemeinschaftsprojekt stösst auf Widerstand. Auch Gemeinden verlangen Nachbesserungen.
Fideris/Küblis. – Für das grosse Verkehrsprojekt im mittleren Prättigau zeichnet sich eine anspruchsvolle Bewilligungsphase ab: Gegen die geplante neue RhB-Linienführung zwischen Fideris und Küblis sind laut einem Bericht der «Südostschweiz» vom 14. Oktober rund 100 Einsprachen eingegangen. Zu den Einsprechenden gehören auch Gemeinden. Damit stehen den Projektverantwortlichen zahlreiche Anliegen gegenüber, die vor einer Realisierung geklärt werden müssen.
Konkret bekannt sind die Vorbehalte der Gemeinde Fideris. Gemeindepräsident Luca Giger sieht Risiken im Zusammenhang mit dem Wasser und kritisiert den Verlust von Gewerbe- und Kulturland. Zudem verlangt die Gemeinde Verbesserungen beim Veloweg. Wie der «Prättigauer & Herrschäftler» berichtet, nimmt Fideris für entsprechende Anpassungen auch eine Verzögerung in Kauf. Die RhB verteidigt das Vorhaben, schliesst zeitliche Verschiebungen jedoch nicht aus.
Hinter dem Vorhaben stehen die Rhätische Bahn, das Bundesamt für Strassen und das Tiefbauamt Graubünden. Die Federführung liegt bei der RhB. Gemeinsam wollen sie den engen Verkehrskorridor neu ordnen: Heute teilen sich Bahn und Strasse den knappen Raum im Talboden. Enge Kurven begrenzen das Tempo; zudem bestehen Gefahren durch Hochwasser und Murgänge.
Kernstück ist ein 1377 Meter langer Bahntunnel. Mit der Verlegung der Gleise entsteht Platz, um Nationalstrasse und Lokalverkehr getrennt zu führen. Die Projektpartner versprechen sich davon mehr Sicherheit und zuverlässigere Verbindungen.
Politisch erhält die neue Linienführung weiterhin Unterstützung aus Chur. Die Bündner Regierung sprach sich am 13. Oktober dafür aus, das Vorhaben voranzutreiben. Die kantonale Unterstützung steht damit neben den Forderungen aus den betroffenen Gemeinden nach einer Überarbeitung einzelner Punkte.
Nach dem im Juni veröffentlichten Zeitplan sollen die Arbeiten 2028 beginnen. Für den Bahntunnel ist die Inbetriebnahme 2034 vorgesehen, für die anschliessenden Strassenbauten der Abschluss 2037. Ob diese Termine trotz der vielen Einsprachen eingehalten werden können, ist derzeit offen.
Was die neue Linienführung für die Region bedeutet
Neben dem umstrittenen Landbedarf bringt das Verkehrsprojekt zwischen Fideris und Küblis auch Veränderungen für Bahnreisende und den Strassenverkehr. Die RhB nennt kürzere Fahrzeiten und einen besseren Schutz vor Naturgefahren als zentrale Ziele.
Heute dürfen die Züge im engen Talabschnitt wegen der Kurven lediglich 45 km/h fahren. Die neue Strecke wird für maximal 120 km/h ausgelegt. Laut RhB verkürzt sich die Fahrzeit dadurch um mehr als zwei Minuten. Auch die Strasse soll leistungsfähiger werden: Auf der begradigten N28 ist durchgehend Tempo 80 vorgesehen. Die separate Lokalstrasse bietet künftig eine Ausweichmöglichkeit bei Unterhaltsarbeiten oder Ereignissen auf der Nationalstrasse.
Für Fideris bedeutet der Umbau zugleich einen Abschied: Die Bahnhaltestelle soll gemäss der im Juni 2026 veröffentlichten Planung per 2030 aufgehoben werden. Dort halten heute noch einzelne Züge in Randstunden. Das geschützte Bahnhofsgebäude bleibt erhalten und wird verschoben.
Der neue Einspurtunnel erhält zwei Flucht- und Rettungsstollen. Insgesamt werden sieben Brücken neu gebaut oder ersetzt; eine weitere, denkmalgeschützte Brücke wird saniert. Die neuen Brücken sollen die Anforderungen an die Hochwassersicherheit erfüllen.
Von den veranschlagten 467,5 Millionen Franken entfallen 298,5 Millionen auf die Bahn und 169 Millionen auf die Strasseninfrastruktur. Diese Angaben stammen aus der Projektvorstellung vor Bekanntwerden der zahlreichen Einsprachen.
Die beiden Visualisierungen stammen aus der Medienmitteilung der Rhätischen Bahn (RhB). Die Nutzung wurde am 16. Oktober 2026 von Frau Y. Dünser per E-Mail genehmigt.




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