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St. Gallen träumt vom Tram-Comeback – Milliardenprojekt nimmt Gestalt an

Aktualisiert: 24. Juli

St. Gallen. Fast 70 Jahre nach der Stilllegung der letzten Trambahn könnte die Ostschweizer Metropole wieder ein modernes Tramnetz erhalten. Der Stadtrat hält an den Plänen fest und sieht darin einen zentralen Baustein für die zukünftige Entwicklung des öffentlichen Verkehrs. Die Vision: leistungsfähige Tramlinien auf den wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt, welche die heute stark belasteten Bus- und Trolleybuslinien ergänzen oder teilweise ersetzen sollen.


Im Zentrum der Überlegungen stehen zwei Hauptachsen. Die erste würde von Stephanshorn über Neudorf und den Bahnhof bis nach Winkeln führen. Die zweite Achse soll Heiligkreuz mit dem Stadtzentrum verbinden. Beide Korridore gehören bereits heute zu den am stärksten frequentierten ÖV-Strecken in der Stadt und werden von den Verkehrsbetrieben St. Gallen (VBSG) intensiv genutzt.


Investitionen von rund 800 Millionen Franken

Die Dimensionen des Projekts sind beträchtlich. Nach Angaben des Stadtrats werden die Infrastrukturkosten inklusive Depot auf rund 800 Millionen Franken geschätzt. Noch nicht enthalten sind die Kosten für die Beschaffung der Fahrzeuge. Für die nächsten Planungsschritte sollen zunächst Vorstudien und Projektierungsarbeiten durchgeführt werden, die weitere Millionenbeträge erfordern.


Ein erheblicher Teil der Finanzierung soll über die Agglomerationsprogramme des Bundes erfolgen. Je nach Einstufung könnte der Bund zwischen 30 und 50 Prozent der Infrastrukturkosten übernehmen. Dennoch müssten Stadt und Kanton einen grossen Teil der Investitionen selbst tragen. Zudem wird mit zusätzlichen Betriebskosten gerechnet, die gegenüber dem heutigen Bussystem jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen könnten.


Antwort auf das Wachstum der Stadt

Die Befürworter sehen im Tram eine langfristige Antwort auf das Bevölkerungswachstum und die steigende Nachfrage im öffentlichen Verkehr. Während moderne Doppelgelenk-Trolleybusse bereits heute hohe Kapazitäten bieten, stossen sie auf den Hauptachsen zunehmend an ihre Grenzen. Ein Tram könnte deutlich mehr Fahrgäste transportieren und gleichzeitig einen attraktiveren und zuverlässigeren Betrieb ermöglichen.


Nach Ansicht des Stadtrats würde ein schienengebundenes Verkehrsmittel zudem die Stadtentwicklung fördern. Erfahrungen aus anderen Schweizer Städten zeigen, dass Tramlinien häufig Investitionen in Wohn- und Geschäftsgebiete auslösen und zur Aufwertung von Quartieren beitragen.


Langer Weg bis zur ersten Fahrt

Bis tatsächlich ein Tram durch St. Gallen fährt, dürfte jedoch noch viel Zeit vergehen. Gemäss den aktuellen Einschätzungen wird allein für Planung, Projektierung, politische Verfahren und Bauarbeiten ein Zeitraum von rund 20 Jahren veranschlagt. Das Gutachten «Verkehr 45» des Bundes sieht eine erste Tramachse frühestens bis 2045 vor. Vor dem Baustart wären zudem mehrere politische Entscheide sowie kantonale und städtische Volksabstimmungen notwendig.


Auch Fragen zur Aufteilung der Kosten zwischen Stadt und Kanton sind noch offen. Eine gesetzliche Grundlage für die Finanzierung existiert derzeit nicht und müsste erst geschaffen werden.


Rückkehr einer alten Idee

Die Diskussion hat auch eine historische Komponente. Bereits von 1897 bis 1957 verfügte St. Gallen über ein eigenes Tramnetz mit mehreren Linien. Es wurde schrittweise durch Trolleybusse ersetzt, die bis heute das Rückgrat des städtischen Verkehrs bilden. Nun könnte die Stadt nach fast sieben Jahrzehnten wieder an diese Tradition anknüpfen – allerdings mit modernen Niederflurfahrzeugen und einem zeitgemässen Betriebskonzept.


Ob das Tram tatsächlich Realität wird, entscheiden letztlich Politik und Bevölkerung. Klar ist jedoch: Mit dem Festhalten des Stadtrats an den Plänen hat die Diskussion um die grösste ÖV-Investition in der jüngeren Geschichte St. Gallens eine neue Dynamik erhalten.



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