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Thurbo-Züge erhalten in Ungarn ein zweites Leben

25. Sept.
3 Min. Lesezeit

Die bekannten Gelenktriebwagen von Thurbo verschwinden in den kommenden Jahren schrittweise aus der Ostschweiz. Ausrangiert werden sie jedoch noch lange nicht: 93 Züge sollen modernisiert werden und künftig bei den Ungarischen Staatsbahnen MÁV zum Einsatz kommen.


Seit der Gründung von Thurbo im Jahr 2002 prägen die Gelenktriebwagen, kurz GTW, den Regionalverkehr in der Ostschweiz. Insgesamt umfasst die bisherige Flotte 110 Fahrzeuge. Bis zu ihrer Ausrangierung werden viele von ihnen rund fünf Millionen Kilometer zurückgelegt haben – das entspricht ungefähr dreizehn Reisen von der Erde zum Mond.


Ablösung durch moderne Flirt-Evo-Züge

Obwohl die GTW als zuverlässig gelten und bei vielen Fahrgästen beliebt sind, erfüllen sie die heutigen Anforderungen nur noch teilweise. Besonders bei der Barrierefreiheit, der Fahrgastinformation und dem Reisekomfort besteht Verbesserungsbedarf. Ein Weiterbetrieb in der Schweiz hätte umfangreiche und kostspielige Revisionen erfordert.


Thurbo ersetzt deshalb seine bisherige Flotte schrittweise durch 107 neue Regionalzüge des Typs Flirt Evo von Stadler. Die ersten Fahrzeuge sind seit Juli 2026 regulär auf der S26 zwischen Winterthur und Rüti ZH unterwegs. Bis ungefähr Mitte der 2030er-Jahre soll der Flottenwechsel abgeschlossen sein.


Für einen grossen Teil der bisherigen Züge bedeutet dies jedoch nicht das Ende. Stadler übernimmt zwischen 2027 und 2034 insgesamt 93 GTW in jährlichen Etappen, modernisiert sie und verkauft sie anschliessend an die ungarische Staatsbahn MÁV. Über den Verkaufspreis haben die beteiligten Unternehmen Stillschweigen vereinbart.


Umfangreicher Umbau für Ungarn

Damit die Schweizer Züge im ungarischen Bahnnetz eingesetzt werden können, sind zahlreiche technische Anpassungen notwendig. Das Antriebssystem muss von der in der Schweiz verwendeten Fahrleitungsspannung von 15 Kilovolt auf die in Ungarn üblichen 25 Kilovolt umgerüstet werden.


Zusätzlich erhalten die Fahrzeuge ein neues Zugsicherungssystem, moderne Bordcomputer, Videoüberwachung und ein neues Fahrgastinformationssystem. Schiebetritte sollen den Einstieg an den teilweise nur 300 Millimeter hohen ungarischen Perrons erleichtern. Auch das Erscheinungsbild verändert sich: Die Züge bekommen eine Folierung in den Farben der MÁV sowie neue Sitzbezüge. Ihre grundsätzliche Form bleibt jedoch erhalten, sodass Bahnfreunde die ehemaligen Thurbo-Züge auch in Ungarn wiedererkennen dürften.


Die Modernisierung eines einzelnen Zuges dauert nach Angaben von Stadler ungefähr zwölf Wochen. Die ersten Prototypen werden noch in der Schweiz umgebaut. Für den anschliessenden Serienumbau entsteht in Ungarn eine neue Serviceanlage. Nach der Erneuerung sollen die Fahrzeuge während ungefähr 15 weiteren Jahren eingesetzt werden können.


Mehr Sitzplätze für Ungarn

Die ungarische Staatsbahn benötigt in den kommenden Jahren zusätzliches Rollmaterial. Mit den modernisierten GTW entstehen nach Angaben von Stadler rund 14'000 zusätzliche Sitzplätze. Gleichzeitig können ältere Fahrzeuge der MÁV ersetzt werden, ohne dass sämtliche benötigten Züge neu gebaut werden müssen.


Der Weiterverkauf verlängert damit die Lebensdauer der bestehenden Fahrzeuge und spart Ressourcen. Auch Thurbo profitiert: Der Verkaufserlös fliesst zurück in den regionalen Personenverkehr. Für Stadler könnte das Projekt zudem als Vorbild für weitere Modernisierungen gebrauchter Zugflotten dienen.


Der Transport nach Ungarn ist allerdings aufwendig. Wegen der unterschiedlichen Strom- und Zugsicherungssysteme können die GTW die Reise nicht aus eigener Kraft bewältigen. Jeweils zwei Fahrzeuge werden deshalb von einer Lokomotive nach Ungarn geschleppt. Eine solche Überführung dauert voraussichtlich etwa vier Tage.


Abschied mit Wehmut

Mit den GTW verschwindet in den kommenden Jahren ein vertrauter Teil des Ostschweizer Landschaftsbildes. Ihre bunten Kopfpolster, die grossen Fenster und die ungewöhnlichen Fünfer- und Sechserabteile haben Generationen von Fahrgästen begleitet.


Ganz verloren gehen die bekannten Regionalzüge jedoch nicht. Statt auf dem Abstellgleis zu enden, beginnen 93 von ihnen ein neues Kapitel auf ungarischen Schienen. Aus dem Abschied in der Ostschweiz wird damit zugleich ein Neuanfang in Ungarn.



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