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Wenn der InterCity die Autobahnnummer trägt

vor 5 Tagen
3 Min. Lesezeit

Die Bezeichnungen A1, A2 oder A3 dienen in der Schweiz nicht nur Autofahrenden zur Orientierung. Auch die Nummern vieler Fernverkehrszüge lehnen sich bewusst an das Strassennetz an.


Bern. Wer am Bahnhof auf den IC1 nach St. Gallen wartet, begegnet einer Nummer, die vielen bereits von der Strasse bekannt ist. Die Übereinstimmung mit der Autobahn A1 ist kein Zufall: Die Nummerierung des Schweizer Bahnfernverkehrs orientiert sich weitgehend an den wichtigsten Nationalstrassen.


Bei den Strassen existieren allerdings zwei Bezeichnungssysteme nebeneinander. In politischen, rechtlichen und finanziellen Dokumenten werden Nationalstrassen mit einem «N» bezeichnet. Die Verbindung von Genf nach St. Margrethen heisst daher offiziell N1, jene von Basel nach Chiasso N2. Auf Verkehrsschildern und in Staumeldungen erscheinen dagegen die bekannteren Bezeichnungen A1 und A2.


Das «A» steht dabei nicht ausschliesslich für eine vollständig ausgebaute Autobahn. Es bezeichnet sowohl Autobahnen als auch Autostrassen. Nationalstrassen, die als gewöhnliche Hauptstrassen geführt werden, erhalten hingegen ein «H». Deshalb kann dieselbe Nationalstrasse je nach Abschnitt unterschiedlich bezeichnet sein: Die N6 ist zwischen Biel und Spiez als A6 signalisiert, auf anderen Abschnitten dagegen als H6. Die Nummer beschreibt somit in erster Linie einen Verkehrskorridor und nicht dessen genaue Ausbauform. Das Bundesamt für Strassen erklärt dieses Doppelsystem ausführlich.


Die wichtigsten Nummern bilden eine leicht verständliche Landkarte: Die A1 durchquert das Mittelland von Genf über Lausanne, Bern und Zürich bis in die Ostschweiz. Die A2 verbindet Basel über Luzern und den Gotthard mit dem Tessin. Die A3 führt von Basel über Zürich in Richtung Chur. Hinzu kommen weitere Achsen wie die A5 am Jurasüdfuss, die A6 im Raum Bern und die A13 durch das Rheintal.


Das Strassennetz als Vorbild für die Bahn

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 erhielten die InterCity- und InterRegio-Linien feste Nummern. Ziel war es, den Fernverkehr ähnlich übersichtlich zu gestalten wie ein S-Bahn-Netz. Reisende sollten sich nicht mehr nur den Zielbahnhof und die Abfahrtszeit, sondern auch eine dauerhaft erkennbare Linie merken können. Nach Angaben der SBB wurde die Nummerierung deshalb bewusst an das bekannte Nationalstrassennetz angelehnt.

SRF berichtete damals über die Einführung.


Besonders deutlich wird das beim IC1. Er fährt von Genève-Aéroport über Lausanne, Bern und Zürich nach St. Gallen und folgt damit ungefähr demselben Ost-West-Korridor wie die A1. Der IC3 verbindet Basel, Zürich und Chur – ähnlich wie die A3. Auch der IC2 durch den Gotthard nach Lugano und der IC21 zwischen Basel, Luzern und Lugano gehören zur Verkehrsachse der A2.


Weitere Nummern führen das System fort. Der IC5 verkehrt über den Jurasüdfuss, während IC51 eine verwandte Verbindung zwischen Lausanne, Biel und Basel bezeichnet. IC6 und IC61 erschliessen von Basel über Bern das Wallis beziehungsweise das Berner Oberland. IC8 und IC81 verbinden die Ostschweiz über Zürich und Bern mit Brig beziehungsweise Interlaken. Die aktuelle Fernverkehrskarte der SBB zeigt, dass die Nummern dabei nicht lückenlos aufeinanderfolgen.


Auch bei den InterRegio-Zügen lassen sich teilweise Parallelen erkennen. Der IR13 fährt beispielsweise von St. Gallen über das Rheintal nach Sargans und Chur – weitgehend entlang des Korridors der A13. Andere IR-Nummern wie IR15, IR16 oder IR70 lassen sich jedoch nicht so einfach einer gleichnamigen Autobahn zuordnen.


Wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen Linien- und Zugnummer: «IC1» bezeichnet die wiederkehrende Verbindung mit einem bestimmten Laufweg. Ein einzelner Zug besitzt für den Betrieb zusätzlich eine eigene Zugnummer. Laut den Vorgaben des Bundesamtes für Verkehr müssen Fernverkehrslinien schweizweit eindeutig bezeichnet und ihre Nummern an Haltestellen, im Fahrplan sowie am Fahrzeug angezeigt werden. Grundlage dafür ist die Richtlinie zur Festlegung der Liniennummern.


Das Schweizer System ist nicht überall vollkommen deckungsgleich. Bahnstrecken und Autobahnen verbinden Städte auf unterschiedliche Weise, und Fahrpläne verändern sich schneller als Strassennetze. Trotzdem schafft die gemeinsame Zahlenlogik Orientierung: Wer weiss, welche Regionen die A1 oder A3 verbindet, kann sich meist auch unter IC1 oder IC3 etwas vorstellen. So wird aus wenigen Ziffern eine gemeinsame Sprache für Strasse und Schiene.



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