Weltpremiere aus der Schweiz: Stadler enthüllt ersten Wasserstoffzug für Schmalspurstrecken
- Marco Marti

- 25. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Juli
Erlen TG / Sardinien – Der Ostschweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail hat gemeinsam mit dem sardischen Verkehrsunternehmen ARST den weltweit ersten Wasserstoffzug vorgestellt, der speziell für Schmalspurstrecken entwickelt wurde. Die Präsentation erfolgte am Stadler-Inbetriebnahmezentrum in Erlen im Kanton Thurgau und markiert einen bedeutenden Meilenstein für den klimafreundlichen Regionalverkehr.
Die neuen Triebzüge wurden für die besonderen Anforderungen des sardischen Schmalspurnetzes konzipiert. Anders als bisherige Wasserstoffzüge, die überwiegend auf Regelspurstrecken verkehren, sind die neuen Fahrzeuge auf die engen Kurvenradien, geringeren Achslasten und die spezifischen Infrastrukturbedingungen der 950-Millimeter-Strecken Sardiniens zugeschnitten. Damit betritt Stadler technologisches Neuland und setzt einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung emissionsfreier Schienenfahrzeuge.
Einsatz ab 2028 auf Sardinien
Die Wasserstoffzüge sollen ab dem Jahr 2028 auf mehreren Strecken der italienischen Mittelmeerinsel verkehren. Vorgesehen sind Einsätze auf den Verbindungen Alghero Flughafen–Mamuntanas, Sassari–Alghero sowie Sassari–Sorso. Die neuen Fahrzeuge ersetzen dort bestehende Dieselzüge und leisten einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des regionalen Bahnverkehrs.
Nach Angaben von Stadler und ARST werden die insgesamt zehn bestellten Wasserstoffzüge die jährlichen CO₂-Emissionen gegenüber dem bisherigen Dieselbetrieb um mehr als 2'100 Tonnen reduzieren. Der benötigte Wasserstoff soll vollständig aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Hierfür entstehen auf Sardinien moderne Produktions- und Betankungsanlagen, die den nachhaltigen Betrieb der Züge sicherstellen sollen.
Moderne Technik für eine emissionsfreie Zukunft
Die neuen Fahrzeuge basieren auf einer eigens entwickelten Plattform für Schmalspurbahnen. Angetrieben werden sie durch Wasserstoff-Brennstoffzellen, die während der Fahrt elektrische Energie erzeugen. Ergänzt wird das System durch leistungsfähige Batterien, welche Bremsenergie speichern und zusätzliche Leistung beim Beschleunigen bereitstellen. Als einziges direktes Nebenprodukt entsteht Wasserdampf.
Auch beim Komfort setzen die Fahrzeuge neue Massstäbe. Die klimatisierten Niederflurzüge verfügen über grosszügige Panoramafenster, barrierefreie Einstiege, moderne Fahrgastinformationssysteme, WLAN sowie USB-Ladeanschlüsse. Damit bieten sie den Fahrgästen den gleichen Komfort wie moderne Elektrotriebzüge.
Schweizer Innovation für Europa
Für Stadler ist das Projekt ein weiterer Meilenstein beim Ausbau alternativer Antriebstechnologien. Bereits mit dem FLIRT H2 entwickelte das Unternehmen erfolgreich einen Wasserstoffzug für den nordamerikanischen Markt. Nun bringt der Schweizer Hersteller diese Technologie erstmals auf europäische Schmalspurstrecken und schafft damit eine Weltneuheit.
Gerade in Regionen, in denen eine vollständige Elektrifizierung wirtschaftlich oder geografisch schwierig ist, gelten Wasserstoffzüge als vielversprechende Alternative zum Dieselbetrieb. Sie ermöglichen einen klimafreundlichen Bahnbetrieb ohne den Bau kostenintensiver Oberleitungen.
Signalwirkung weit über Sardinien hinaus
Die Präsentation des weltweit ersten massgeschneiderten Wasserstoffzuges für Schmalspurstrecken zeigt eindrucksvoll, wie sich innovative Technologien für einen nachhaltigen öffentlichen Verkehr einsetzen lassen. Experten sehen in dem Projekt ein wichtiges Pilotvorhaben für zahlreiche Schmalspurbahnen in Europa und darüber hinaus.
Mit der Auslieferung der Fahrzeuge ab 2027 und der geplanten Betriebsaufnahme im Jahr 2028 könnte Sardinien zu einem Vorreiter des emissionsfreien Regionalverkehrs werden. Gleichzeitig unterstreicht Stadler einmal mehr seine Rolle als einer der weltweit führenden Hersteller innovativer Schienenfahrzeuge und stärkt den Ruf der Schweiz als bedeutenden Standort für Bahntechnologie.
Sollte sich das Konzept im Alltag bewähren, könnten künftig auch zahlreiche weitere Schmalspurbahnen auf Wasserstoff setzen und damit einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Mobilität der Zukunft leisten.

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