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Keine Strasse, keine Bahn – und bald kein Schiff mehr? Quinten bangt um seine Verbindung zur Aussenwelt

24. Okt.
2 Min. Lesezeit

Keine Strasse, keine Bahn – und künftig womöglich keine gesicherte ganzjährige Schiffsverbindung mehr: Die St. Galler Regierung will ihren Beitrag an das Kursschiff nach Quinten streichen. Was in der Kantonsrechnung als Einsparung erscheint, stellt für das Dorf am Walensee den Alltag infrage.


QUINTEN. Es gibt Sparvorschläge, bei denen man sich fragt, ob ihre Folgen vor Ort ausreichend bedacht wurden. Der geplante Rückzug des Kantons St. Gallen aus der Finanzierung der ganzjährigen Schiffsverbindung nach Quinten gehört dazu. Rund 250’000 Franken jährlich soll die Massnahme dem Kanton ersparen. Betroffen wäre ein Dorf, das keine Zufahrtsstrasse besitzt und ausschliesslich per Schiff oder zu Fuss erreichbar ist. Noch ist die Streichung ein Vorschlag; der politische Entscheid steht aus.


Natürlich lässt sich Quinten auch erwandern. Doch ein Fussweg ersetzt keine Verkehrsverbindung für den Alltag. Wer Einkäufe nach Hause bringen, einen Arzttermin wahrnehmen oder mit eingeschränkter Mobilität unterwegs sein muss, braucht mehr als den Hinweis, dass das Dorf theoretisch weiterhin erreichbar sei.


Für Ausflugsgäste kann die Wanderung Teil des Erlebnisses sein. Für Menschen, die dort wohnen, ist die verlässliche Verbindung zur anderen Seeseite eine Voraussetzung dafür, ihren Alltag organisieren zu können. Genau dieser Unterschied muss bei einer solchen Entscheidung im Mittelpunkt stehen.


Zur Begründung verweist die Regierung laut Medienberichten auf die Einwohnerzahl: Der Kanton sei erst bei Siedlungen mit mehr als 300 Einwohnerinnen und Einwohnern zur ÖV-Erschliessung verpflichtet. Quinten zählt nur rund 40 ganzjährige Bewohnerinnen und Bewohner. Doch selbst wenn eine Finanzierung nicht vorgeschrieben sein sollte, ist damit die politische Frage nach ihrer Notwendigkeit keineswegs beantwortet.


Ein Ort ohne Strassenanschluss braucht eine Beurteilung, die seine besondere Lage berücksichtigt. Eine Einwohnergrenze allein sagt wenig darüber aus, welche Folgen der Wegfall einer Verbindung hätte. Wo andernorts vielleicht noch ein Auto, ein Taxi oder ein Bus zur Verfügung steht, liegt in Quinten der See dazwischen.


Hinzu kommt die Frage, ob hier tatsächlich gespart oder vor allem eine Rechnung weitergereicht wird. Nach der bisherigen Finanzierung kommen zum kantonalen Beitrag weitere rund 250’000 Franken von den Gemeinden hinzu. Soll die Linie trotz Rückzug des Kantons erhalten bleiben, müsste die fehlende Finanzierung anderweitig übernommen werden. Der Gemeindepräsident von Quarten warnt, seine Gemeinde könne eine zusätzliche Viertelmillion nicht einfach aufbringen.


Damit entsteht eine problematische Wahl: Entweder andere bezahlen mehr oder die verlässliche Erreichbarkeit des Dorfes gerät unter Druck. Eine Entlastung der Kantonsrechnung wäre dann mit einer zusätzlichen Belastung vor Ort erkauft.


Ebenso kurzsichtig wäre es, die Verbindung hauptsächlich als touristisches Angebot zu betrachten. Das Kursschiff erfüllt für Quinten eine alltägliche Verkehrsfunktion. Wer diese schwächt, muss sich auch fragen lassen, welche Zukunft er dem Dorf zutraut. Menschen zum Bleiben zu ermutigen und gleichzeitig ihre Verkehrsverbindung infrage zu stellen, passt schlecht zusammen.


Selbstverständlich muss die öffentliche Hand Ausgaben prüfen. Auch Fahrpläne, Betriebskosten und Finanzierung dürfen hinterfragt werden. Eine verantwortungsvolle Prüfung müsste aber mit der Frage beginnen, wie Quinten dauerhaft und zuverlässig erreichbar bleibt. Erst danach lässt sich darüber sprechen, wie dieses Angebot möglichst wirtschaftlich organisiert werden kann.


Der Kantonsrat sollte diesen Sparvorschlag zurückweisen und eine tragfähige Finanzierung verlangen. Quinten braucht eine Verbindung, auf die sich seine Bevölkerung verlassen kann. Ein Dorf ohne Zufahrtsstrasse darf bei der Verkehrsplanung nicht so behandelt werden, als könnte es bei Bedarf einfach auf die Strasse ausweichen.



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