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Ferenbalm-Gurbrü: Wo auch auf Verlangen kein Zug mehr hält

24. Okt.
2 Min. Lesezeit

Seit Dezember 2018 ist die Haltestelle Ferenbalm-Gurbrü geschlossen. Wir haben den ehemaligen Bahnhalt besucht – einen Ort, für dessen Erhalt sich die Bevölkerung jahrelang eingesetzt hatte. Seine Geschichte erzählt vom Konflikt zwischen einem schnelleren Bahnnetz und dem direkten Anschluss vor der Haustür.


FERENBALM-GURBRÜ. Nach unserem Besuch in Ligerz führt uns ein weiterer Augenschein nach Ferenbalm-Gurbrü. Auch hier hat eine Bahnstation ihre Funktion als Ein- und Aussteigeort verloren. Seit dem Fahrplanwechsel vom 9. Dezember 2018 halten die Züge der BLS nicht mehr an der kleinen Station zwischen Gümmenen und Kerzers. Selbst der frühere «Halt auf Verlangen» gehört der Vergangenheit an.


Unser Besuch gilt damit einem Ort, der für viele Menschen einst zum täglichen Weg gehörte. Für Pendlerinnen und Pendler sowie Schülerinnen und Schüler bot die Haltestelle einen direkten Zugang zur Bahn. Ihr Wegfall veränderte diese Wege: Aus einer Zugfahrt konnte eine Verbindung mit zusätzlicher Busfahrt und Umstieg werden.


Die Schliessung war Teil einer grösseren Fahrplanplanung. In einer 2018 veröffentlichten Stellungnahme begründete das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr den Entscheid unter anderem mit der halbstündlichen Bedienung von Rosshäusern. Der dafür nötige zusätzliche Halt der S5 habe den Verzicht auf einen anderen Halt verlangt. Aus Sicht des Kantons war Ferenbalm-Gurbrü zudem schwach genutzt und sanierungsbedürftig. Die Aufhebung sollte deshalb sowohl dem künftigen Fahrplan dienen als auch Investitionen vermeiden.


Gegen diese Abwägung regte sich Widerstand. Anwohnerinnen und Anwohner gründeten die IG Bahnhof Ferenbalm-Gurbrü, sammelten Argumente und suchten Unterstützung in der Politik. Für sie stand die schnelle Verbindung nach Bern und in Richtung Kerzers im Mittelpunkt. Besonders für Menschen in der Nähe der Station bedeutete der geplante Busersatz einen Verlust: Der Zugang zur Bahn rückte weiter weg, zusätzliche Umstiege machten den Arbeits- oder Schulweg aufwendiger. Die Schliessung konnten sie letztlich nicht verhindern.


An die Stelle des Bahnhalts trat im Dezember 2018 die PostAuto-Linie 551. Sie verband Gümmenen über Gurbrü, Ferenbalm und Biberen wieder mit Gümmenen. Die Gemeinden warben damals für die Vorteile des neuen Angebots: Der Bus erschloss mehrere Ortsteile und sollte dadurch weitere Fahrgäste erreichen. Während bisherige Bahnreisende ihren direkten Anschluss verloren, erhielten andere Einwohnerinnen und Einwohner eine zusätzliche Verbindung näher am Wohnort.


Wie viel den bisherigen Fahrgästen ihre Station bedeutete, zeigte sich beim letzten Halt. In der Nacht auf den 9. Dezember 2018 versammelten sich Unterstützerinnen und Unterstützer, um den letzten Zug Richtung Bern zu verabschieden. Die IG hatte ausdrücklich zu einem gemeinsamen Abschied eingeladen. Ihr Dank galt auch den Lokführerinnen und Lokführern, die hier über die Jahre auf Verlangen angehalten hatten.


Bei unserem Besuch liegt dieser Abschied bereits Jahre zurück. Die Geschichte dahinter bleibt aktuell: Ein dichterer Takt an einem Ort kann den Wegfall eines Halts an einem anderen bedeuten. In Ferenbalm-Gurbrü lässt sich diese Entscheidung an einem konkreten Ort festmachen – dort, wo früher ein Haltewunsch genügte, um aus einer vorbeiführenden Bahnlinie eine Verbindung für den eigenen Alltag zu machen.



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