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Ligerz: Ein Zaun trennt den Bahnsteig von den Gleisen

24. Okt.
2 Min. Lesezeit

Am Bahnhof Ligerz halten seit Dezember 2024 keine Personenzüge mehr. Bei unserem Besuch ist der Bahnsteig weiterhin zugänglich. Ein Zaun trennt ihn jedoch von den Gleisen – ein sichtbares Zeichen für den Wandel am Bielersee.


LIGERZ. Der Bahnhof ist noch da, doch seine bisherige Aufgabe hat er verloren. Wer heute in Ligerz auf den Bahnsteig tritt, wartet hier auf keinen Zug mehr. Bei unserem Besuch vor Ort können wir uns auf dem zugänglichen Bereich umschauen. Zwischen diesem Teil des Bahnsteigs und den Gleisen verläuft ein Zaun. Wo früher Reisende ein- und ausstiegen, ist der Zugang zur Bahn nun versperrt.


Dabei bedeutet die Schliessung des Bahnhofs keineswegs, dass die Bahnstrecke bereits stillgelegt wäre. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 halten die Regionalzüge nicht mehr in Ligerz. Die Strecke bleibt vorerst in Betrieb. Laut Aare Seeland mobil machten der einspurige Abschnitt und die Bauarbeiten am neuen Ligerztunnel die Aufhebung des Halts erforderlich, um passende Ankunfts- und Abfahrtszeiten am Bahnknoten Biel zu ermöglichen. Eine Buslinie übernimmt die Erschliessung des Dorfes.


Für Ligerz entsteht damit eine ungewöhnliche Übergangssituation: Die Züge fahren weiterhin am Dorf vorbei, bieten ihm aber keinen direkten Anschluss mehr. Der Zaun am Bahnsteig macht diese Trennung besonders deutlich. Der Bahnhof bleibt als Ort erkennbar, während der Zugang zum öffentlichen Verkehr inzwischen anders organisiert ist.


Hinter dieser Veränderung steht ein grösseres Bauprojekt. Zwischen Schafis und Twann liegt der letzte Einspurabschnitt der Linie Lausanne–Biel. Mit einem rund 2,13 Kilometer langen Doppelspurtunnel wollen die SBB dieses Nadelöhr beseitigen. Die Inbetriebnahme ist nach aktuellem Projektstand für Ende 2029 vorgesehen. Der Ausbau soll einen durchgehenden Halbstundentakt im Regionalverkehr ermöglichen und zugleich dem Güterverkehr genügend Raum lassen.


Die Schliessung betrifft auch eine bisher wichtige Umsteigeverbindung. In Ligerz führt die Standseilbahn «vinifuni» durch die Rebberge hinauf nach Prêles. Mit dem Wegfall des Zughalts entfiel die direkte Verknüpfung zwischen Regionalbahn und Standseilbahn. Für die Bauzeit musste deshalb auch die Erschliessung des darüberliegenden Plateaus neu organisiert werden.


Mit der Eröffnung des Tunnels wird sich das Bild am ehemaligen Bahnhof erneut verändern. Die SBB wollen die bisherige Bahnlinie am Seeufer zurückbauen; das Bahnhofsgebäude soll erhalten bleiben. Für das freiwerdende Trassee sehen die regionalen Planungen unter anderem Grünräume, Plätze sowie Fuss- und Velowege vor. Auch die Verbindungen zwischen den Dörfern und dem See sollen verbessert werden.


Bei unserem Besuch liegt diese Zukunft noch vor dem Ort. Vorerst bleiben ein zugänglicher Bahnsteig, die abgetrennten Gleise und ein Bahnhof ohne Halt. Der Zaun markiert diesen Zwischenzustand: Die Zeit als Ein- und Aussteigeort ist vorbei, die neue Nutzung hat noch nicht begonnen.



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