Luzern fährt ab 2027 «neu direkt»: Das grösste Busnetz-Update seit Jahrzehnten steht bevor
- Marco Marti

- 12. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Der öffentliche Verkehr in der Stadt und Agglomeration Luzern steht vor einer historischen Veränderung. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 – und damit praktisch ab dem öV-Jahr 2027 – wollen der Verkehrsverbund Luzern (VVL) und die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) ein komplett überarbeitetes Busnetz einführen. Das Ziel: direktere Verbindungen, weniger Umsteigen und ein leistungsfähigeres Netz für die stark wachsende Region Luzern.
Unter dem Motto «Luzern fährt neu direkt» planen die Verantwortlichen zahlreiche neue Durchmesserlinien quer durch die Stadt und Agglomeration. Statt vieler Linien, die heute am Bahnhof Luzern enden oder dort lange Aufenthalte benötigen, sollen künftig deutlich mehr Busse direkt durch die Stadt verkehren. Dadurch sollen wichtige Ziele wie das Luzerner Kantonsspital, das Verkehrshaus, Littau, Kriens, Horw oder Meggen ohne Umsteigen erreichbar werden.
Warum das Busnetz überhaupt verändert wird
Der Hintergrund der grossen Reform liegt im stetigen Wachstum der Region Luzern. Neue Wohnquartiere, zusätzliche Arbeitsplätze und immer mehr Pendlerinnen und Pendler sorgen dafür, dass das bestehende Netz zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen stösst. Besonders der Bahnhofplatz Luzern gilt seit Jahren als einer der grössten Engpässe im gesamten Zentralschweizer öV-System.
Hinzu kommen die laufenden Bauarbeiten für die neuen Durchmesserperrons am Bahnhof Luzern. Diese sollen langfristig mehr Platz und einen stabileren Betrieb ermöglichen. Gleichzeitig zeigt sich aber bereits heute, wie stark der Bahnhofbereich ausgelastet ist. Das neue Busnetz soll deshalb helfen, den Verkehr effizienter zu organisieren und den Bahnhof zu entlasten.
Die Grundidee hinter dem neuen Konzept lautet deshalb: weniger endende Linien am Bahnhof, dafür mehr direkte Verbindungen quer durch die Stadt.
Zahlreiche neue Linien und angepasste Linienführungen
Mit dem neuen Busnetz werden zahlreiche Linien angepasst oder neu geschaffen. Ziel ist ein direkteres und leistungsfähigeres Angebot mit weniger Umsteigevorgängen am Bahnhof Luzern.
Gemäss den aktuellen Planungen bleiben einige Linien unverändert bestehen, während andere angepasst oder vollständig aufgehoben werden.
Unverändert bestehen bleiben:
Linie 1
Linie 2
Linie 7
Linie 11
Linie 18
Linie 22
Linie 23
Linie 25
Linie 26
Neu eingeführt oder angepasst werden unter anderem folgende Linien:
Linie 3 (neu): Luzern Gasshof – Luzern Bahnhof – Verkehrshaus – Büttenenhalde
Linie 4: Luzern Gasshof – Luzern Bahnhof – Verkehrshaus – Würzenbach
Linie 5: Hubelmatt – Luzern Bahnhof – Maihof
Linie 6: bisherige Linienführung, künftig nur noch während der Hauptverkehrszeiten
Linie 8: Hirtenhof – Luzern Bahnhof – Kantonsspital – Friedental
Linie 9 (neu): Matthof – Luzern Bahnhof – Kantonsspital – Littau Bahnhof
Linie 12: Kriens Busschleife – Emmenbrücke Bahnhof Süd
Linie 15: Kriens Busschleife – Obere Weinhalde – Kriens Busschleife
Linie 17: Luzern Bahnhof – Obergütsch
Linie 20: Meggen Gottlieben / Tschädigen – Luzern Bahnhof – Horw Technikumstrasse / Ennethorw
Linie 21: Ebikon Bahnhof – Kantonsspital – Emmenbrücke Bahnhof Süd
Linie 30: Horw Zentrum – Eichhof – Luzern Bahnhof – St. Anna – Brüelstrasse
Linie 31 (neu): Kriens Pilatusbahnen – Mattenhof – Horw Zentrum – Spitz
Linie 32 (neu): Luzern Bahnhof – Kastanienbaum – Horw – Kriens Zentrum Pilatus – Sidhalde
Entfallen sollen gemäss aktueller Planung hingegen folgende Linien:
Linie 10
Linie 14
Linie 16
Linie 19
Linie 24
Besonders auffällig ist die stärkere Vernetzung der verschiedenen Stadtteile und Agglomerationsgemeinden. Viele Linien werden künftig als sogenannte Durchmesserlinien betrieben und fahren direkt durch Luzern hindurch, anstatt am Bahnhof zu enden. Dadurch sollen Reisezeiten verkürzt und Umsteigevorgänge reduziert werden.
Das Luzerner Kantonsspital wird zum wichtigen Verkehrsknoten
Ein besonderer Fokus liegt auf der besseren Anbindung des Luzerner Kantonsspitals. Dieses entwickelt sich immer stärker zu einem zentralen Zielpunkt im Stadtverkehr. Mehrere neue oder angepasste Linien werden künftig direkt über das Spital geführt.
So entstehen direkte Verbindungen aus Littau, Ebikon oder Friedental zum Kantonsspital, ohne dass Fahrgäste zuerst am Bahnhof umsteigen müssen. Damit wollen VVL und VBL den öffentlichen Verkehr insbesondere für Pendlerinnen, Pendler und Spitalbesuchende attraktiver machen.
Neue Batterie-Trolleybusse spielen zentrale Rolle
Eine wichtige Rolle im neuen Netz spielen moderne Batterie-Trolleybusse. Diese Fahrzeuge können sowohl unter Fahrleitungen als auch mehrere Kilometer ohne Oberleitung fahren. Dadurch lassen sich neue Direktverbindungen schaffen, ohne dass überall neue Fahrleitungen gebaut werden müssen.
Bereits ab Sommer 2026 sollen schrittweise neue Batterie-Trolleybusse in Luzern in Betrieb gehen. Das Konzept passt zur sogenannten «RBus»-Strategie der VBL, welche auf leistungsfähige Hauptachsen, moderne Fahrzeuge und schnellere Verbindungen setzt.
Politik und Bevölkerung können mitreden
Noch ist das neue Busnetz nicht endgültig beschlossen. Gemeinden, Parteien, Verbände und die Bevölkerung konnten sich im Rahmen einer Vorvernehmlassung zum Projekt äussern. Bis zur definitiven Einführung sind deshalb noch kleinere Anpassungen möglich.
Klar ist aber bereits jetzt: Das neue Netz wird den öffentlichen Verkehr in Luzern grundlegend verändern.
Bahnhof Luzern bleibt weiterhin das Herzstück
Trotz der neuen Durchmesserlinien bleibt der Bahnhof Luzern weiterhin der wichtigste Verkehrsknotenpunkt der Region. Die neuen Durchmesserperrons sollen dabei helfen, den Betrieb effizienter und stabiler zu machen.
Ohne Anpassungen drohen gemäss den Verkehrsplanern in Zukunft noch stärkere Überlastungen und Verspätungen. Mit dem neuen Busnetz wollen VVL und VBL deshalb die Grundlage für einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr in den kommenden Jahrzehnten schaffen.
Ein Busnetz für die Zukunft der Region Luzern
Mit dem Projekt «Luzern fährt neu direkt» steht die Stadt Luzern vor einer der grössten Veränderungen ihres Busnetzes seit Jahrzehnten. Während sich viele Fahrgäste zunächst an neue Liniennummern und veränderte Strecken gewöhnen müssen, versprechen sich die Verantwortlichen ein moderneres, direkteres und zuverlässigeres Gesamtsystem.
Ob das neue Netz die hohen Erwartungen erfüllen kann, wird sich ab Dezember 2026 zeigen. Sicher ist jedoch bereits heute: Der öffentliche Verkehr in Luzern wird in wenigen Jahren deutlich anders aussehen als heute.
Bild 1: Ein Hess 7909 Doppelgelenktrolleybus der VBL mit Werbung fürs Emmen Center auf der Linie 2 von Luzern, Bahnhof nach Emmenbrücke, Sprengi. Hier in Luzern, Bahnhof.
Bild 2: Ein Volvo 7900H Hybridbus der VBL auf der Linie 16 von Horw, Spitz nach Kriens, Busschleife. Hier in Kriens, Mattenhof.







Bin ja gespannt wie das wird. Müssen wir uns dann erstmal alle umgewöhnen.