Grossbaustelle am Bahnhof Luzern: Neue Durchmesserperrons verändern den Busverkehr grundlegend
Aktualisiert: 24. Juli
Der Bahnhofplatz Luzern steht seit Mai 2026 im Zeichen einer der grössten Umbauten im öffentlichen Verkehr der letzten Jahre. Mit dem Bau neuer sogenannter Durchmesserperrons wird die wichtigste Mobilitätsdrehscheibe der Zentralschweiz umfassend modernisiert. Die Bauarbeiten bringen jedoch nicht nur bauliche Veränderungen mit sich, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf den täglichen Busbetrieb, tausende Pendlerinnen und Pendler sowie den gesamten Verkehrsfluss rund um den Bahnhof Luzern. Hintergrund des Projekts ist die geplante Einführung neuer Durchmesserlinien im Busnetz, welche künftig direktere und effizientere Verbindungen durch die Stadt ermöglichen sollen.
Bereits seit dem 18. Mai 2026 laufen die ersten grossen Bauarbeiten rund um den Bahnhofplatz. Im Zentrum steht die Erstellung zusätzlicher Bushaltekanten entlang der Pilatusstrasse sowie direkt beim Bahnhofplatz. Besonders auffällig wird dabei die neue Doppelhaltekante vor dem Globus-Gebäude, welche künftig eine zentrale Rolle im Busbetrieb übernehmen soll. Ziel ist es, die Infrastruktur so auszubauen, dass mehrere Buslinien künftig als sogenannte Durchmesserlinien durch den Bahnhof geführt werden können, ohne dort lange wenden oder blockieren zu müssen.
Dieses Bild zeigt in Organge markiert den Bereich der Baustelle. Die Grauen Nummern an den Haltekanten zeigen die im Normalbetrieb an dieser Haltekante verkehrenden Buslinien, während die Organgenen Nummern diese Linien sind, welche aus dem Baustellenbereich hinaus auf einen alternative Haltekante verschoben wurden. Zugleich sieht man rechts alle Linien und deren neue/gleichbleibende Haltekante.
Das bestehende System am Bahnhof Luzern gilt seit Jahren als stark ausgelastet. Der Bahnhof Luzern zählt mittlerweile zu den meistfrequentierten Bahnhöfen der Schweiz. Täglich bewegen sich dort weit über 100'000 Menschen. Gleichzeitig stösst auch der Busbahnhof zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Viele Busse müssen heute lange Standzeiten einhalten oder komplizierte Wendemanöver durchführen. Durch die neuen Durchmesserperrons sollen diese Engpässe entschärft werden. Buslinien können künftig direkt durch die Stadt weitergeführt werden, was die Fahrzeiten verkürzt und die Stabilität des Fahrplans verbessert.
Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) sprechen von einem wichtigen Zwischenschritt hin zu einem moderneren Busnetz. Besonders bedeutend wird dabei die Einführung neuer Durchmesserlinien, welche Ende 2026 beziehungsweise 2027 in Betrieb gehen sollen. Das neue Konzept sieht vor, dass mehrere Linien nicht mehr am Bahnhof enden, sondern direkt miteinander verknüpft werden. Dadurch entstehen neue Direktverbindungen quer durch Luzern und die Agglomeration. Für Fahrgäste bedeutet dies weniger Umsteigen und kürzere Reisezeiten.
Die Bauarbeiten bringen allerdings erhebliche Einschränkungen mit sich. Aufgrund des beschränkten Platzes rund um den Bahnhof müssen einzelne Linien zeitweise umgeleitet oder komplett neu organisiert werden. Besonders betroffen sind die Linien 11 und 18. Diese verkehren zwischen dem 18. Mai und dem 13. Dezember 2026 nicht mehr direkt bis zum Bahnhof Luzern. Stattdessen enden beide Linien vorübergehend am Pilatusplatz. Dort werden sie betrieblich miteinander verknüpft: Aus der Linie 11 wird die Linie 18 und umgekehrt. Dieses System soll verhindern, dass zu viele Busse gleichzeitig den Bahnhofplatz blockieren.
Auch für Autofahrerinnen und Autofahrer dürfte die Grossbaustelle spürbar werden. Rund um die Pilatusstrasse, den Bahnhofplatz und angrenzende Bereiche kommt es immer wieder zu temporären Verkehrsführungen, Spurverschiebungen und Behinderungen. Die Stadt Luzern versucht zwar, den Verkehr möglichst aufrechtzuerhalten, dennoch rechnen Behörden und Verkehrsbetriebe während der Bauzeit mit Verzögerungen und erhöhtem Verkehrsaufkommen auf Ausweichrouten.
Die neuen Durchmesserperrons stehen zudem im Zusammenhang mit noch deutlich grösseren Zukunftsprojekten im Raum Luzern. Insbesondere der geplante Durchgangsbahnhof Luzern spielt dabei eine zentrale Rolle. Dieser soll langfristig die heutige Kapazitätsgrenze des Bahnhofs beseitigen und den Bahnverkehr in der gesamten Zentralschweiz massiv ausbauen. Mit dem Durchgangsbahnhof werden künftig deutlich mehr Menschen rund um den Bahnhof unterwegs sein. Deshalb muss auch die oberirdische Verkehrsinfrastruktur bereits heute schrittweise angepasst werden.
Die neuen Bushaltekanten gelten deshalb nicht nur als kurzfristige Verbesserung für den Busverkehr, sondern auch als Vorbereitung auf die langfristige Entwicklung des gesamten Bahnhofgebiets. Die Stadt Luzern plant rund um den Bahnhof in den kommenden Jahren zahlreiche weitere Veränderungen. Dazu gehören neue Platzgestaltungen, Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr sowie eine mögliche Neuorganisation des motorisierten Verkehrs. Ziel ist es, den Bahnhofplatz langfristig leistungsfähiger, sicherer und gleichzeitig attraktiver zu gestalten.
Finanziell wurde das Projekt Anfang 2026 definitiv abgesichert. Der Luzerner Kantonsrat sprach dafür einen Kredit von rund 3,8 Millionen Franken. Damit konnte eine der letzten politischen Hürden überwunden werden. Stadt, Kanton und VBL betonen die grosse Bedeutung des Projekts für die zukünftige Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Luzern.
Für Pendlerinnen und Pendler bleibt die Situation während der Bauphase jedoch anspruchsvoll. Fahrgäste müssen sich an neue Haltekanten, geänderte Linienführungen und teilweise längere Wege gewöhnen. Die VBL empfiehlt deshalb, vor jeder Fahrt die aktuellen Informationen und Baustellenhinweise zu prüfen. Trotz aller Einschränkungen sehen die Verantwortlichen die Baustelle als notwendige Investition in die Zukunft des öffentlichen Verkehrs der Stadt Luzern.

Blick auf den Bahnhof Luzern und den Bereich in dem Gebaut wird.




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