Startschuss für milliardenschweren Bahnausbau bei Bern
- Marco Marti

- 13. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Juli
Wankdorf–Ostermundigen wird bis 2038 zur Grossbaustelle – mehr Kapazität und dichtere Zugfahrpläne geplant.
Ein Grossprojekt für den Schweizer Bahnverkehr nimmt Fahrt auf: Anfang Juli startet die SBB mit den Bauarbeiten für den Bahnausbau zwischen Wankdorf Süd und Ostermundigen. Nachdem das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Plangenehmigung erteilt hat, beginnen die Vorbereitungsarbeiten für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Raum Bern. Mit Investitionen von rund 800 Millionen Franken soll ein langjähriger Engpass beseitigt und der Bahnknoten Bern fit für die steigenden Anforderungen im Personen- und Güterverkehr gemacht werden.
Mehr Kapazität für einen der wichtigsten Bahnknoten der Schweiz
Die Bahnstrecke zwischen Bern und Ostermundigen zählt zu den am stärksten belasteten Abschnitten des Schweizer Schienennetzes. Täglich verkehren hier zahlreiche Fern-, Regional- und Güterzüge. Bislang kreuzen sich verschiedene Fahrwege auf gleicher Ebene, wodurch sich Züge gegenseitig behindern können. Schon kleine Verspätungen wirken sich deshalb oft auf den gesamten Bahnknoten Bern aus.
Mit dem Ausbauprojekt «Entflechtung Wankdorf Süd – Ostermundigen» soll dieses Problem gelöst werden. Herzstück des Projekts ist ein rund 440 Meter langer Tunnel, der künftig unter den bestehenden Gleisen sowie unter der Autobahn A6 hindurchführt. Dadurch werden die Fahrwege entflechtet, sodass sich die Züge nicht mehr kreuzen müssen. Das erhöht die Kapazität der Strecke und verbessert gleichzeitig die Pünktlichkeit.
Viertelstundentakt zwischen Bern und Münsingen
Von der Investition profitieren vor allem die Reisenden. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll zwischen Bern und Münsingen ein Viertelstundentakt eingeführt werden. Auch die Fernverkehrslinien Richtung Interlaken und Brig sollen künftig im Halbstundentakt verkehren. Zusätzlich entstehen neue Kapazitäten für den Güterverkehr, der auf dieser wichtigen Nord-Süd-Achse ebenfalls stetig zunimmt.
Mit der Entflechtung wird ein zentraler Bestandteil des Ausbauschritts 2025 des Bundes umgesetzt. Ziel ist es, den öffentlichen Verkehr langfristig leistungsfähiger zu machen und den steigenden Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden.
Umfangreiche Bauarbeiten über mehr als ein Jahrzehnt
Das Projekt umfasst weit mehr als den Bau des neuen Tunnels. Zwischen Wankdorf und Ostermundigen wird ein zusätzliches Gleis erstellt. Am Bahnhof Bern Wankdorf werden die Perronanlagen angepasst und verlängert. Zudem entstehen neue Lärmschutzwände sowie moderne Bahntechnik- und Stellwerksanlagen. Auch der Bahnhof Ostermundigen wird umfassend modernisiert und ausgebaut.
Bereits zu Beginn der Bauarbeiten werden die Gleise im Bereich Wankdorf angepasst. Gleichzeitig entsteht eine provisorische Passerelle für die Reisenden. Im Herbst beginnen die Arbeiten am sogenannten Aarestollen, der künftig die Entwässerung der Bahnanlagen sicherstellt. Der eigentliche Bau des Wankdorftunnels startet Ende 2026.
Bauzeit bis mindestens 2038
Die Arbeiten werden die Region Bern über viele Jahre begleiten. Aufgrund der komplexen Platzverhältnisse zwischen den bestehenden Bahnlinien und der Autobahn A6 sowie des laufenden Bahnbetriebs wird die Realisierung voraussichtlich bis mindestens 2038 dauern. Während der gesamten Bauzeit soll der Zugverkehr weitgehend ohne grössere Einschränkungen aufrechterhalten werden.
Ganz ohne Auswirkungen wird das Grossprojekt jedoch nicht auskommen. Zeitweise werden Bauarbeiten auch nachts oder an Wochenenden notwendig sein. Die SBB kündigt an, die Belastungen für Anwohnende und Reisende so gering wie möglich zu halten.
Investition in die Zukunft der Bahn
Mit Gesamtkosten von rund 800 Millionen Franken zählt der Ausbau zwischen Wankdorf Süd und Ostermundigen zu den bedeutendsten Bahninfrastrukturprojekten der kommenden Jahre in der Schweiz. Die Finanzierung erfolgt über den Bahninfrastrukturfonds des Bundes im Rahmen des strategischen Entwicklungsprogramms Bahn (STEP).
Der Baustart markiert einen wichtigen Meilenstein für den Bahnknoten Bern. Nach Abschluss der Arbeiten werden mehr Züge verkehren können, Verspätungen sollen seltener werden und die Kapazität für den Personen- wie auch den Güterverkehr wird deutlich erhöht. Damit schafft die SBB die Voraussetzungen dafür, dass der öffentliche Verkehr in der Hauptstadtregion auch in Zukunft den wachsenden Mobilitätsbedürfnissen gerecht werden kann.


Kommentare