Stuttgart 21 erneut verspätet – warum das für die Schweiz sogar Vorteile haben könnte
- Marco Marti

- vor 17 Stunden
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Stuttgart/Bern. Eigentlich sollte der umstrittene Mega-Bahnhof Stuttgart 21 längst in Betrieb sein. Doch erneut drohen massive Verzögerungen. Die vollständige Eröffnung könnte sich nun bis 2031 verschieben – zwölf Jahre später als ursprünglich geplant. Ausgerechnet für die Schweiz könnte diese Hiobsbotschaft jedoch auch positive Folgen haben.
Ein Milliardenprojekt ohne Ende
Als das Projekt Stuttgart 21 in den 1990er-Jahren vorgestellt wurde, galt es als Symbol einer modernen Bahnzukunft. Der oberirdische Kopfbahnhof in Stuttgart sollte einem unterirdischen Durchgangsbahnhof weichen, ergänzt durch neue Tunnel, Brücken und Hochgeschwindigkeitsstrecken.
Die ursprüngliche Eröffnung war für 2019 vorgesehen. Inzwischen wurde der Termin mehrfach verschoben – zunächst auf 2021, später auf 2025 und zuletzt auf Ende 2026. Nun berichten mehrere deutsche Medien, dass selbst dieser Zeitplan nicht mehr haltbar sei. Eine vollständige Inbetriebnahme wird inzwischen erst für Ende 2031 diskutiert.
Falsche Kabel und technische Probleme
Die Ursachen für die erneuten Verzögerungen sind vielfältig.
Laut Berichten wurden teilweise falsche Kabel installiert, die nun ausgetauscht werden müssen. Hinzu kommen Schwierigkeiten beim japanischen Technologiekonzern Hitachi, der die digitale Leit- und Sicherungstechnik liefert. Auch beim Bau wichtiger Technikgebäude soll es zu Problemen gekommen sein.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir fordert inzwischen vollständige Transparenz von der Deutschen Bahn. Es sei nicht akzeptabel, wenn die Öffentlichkeit Jahr für Jahr neue Terminverschiebungen präsentiert bekomme.
Die Kosten explodieren weiter
Nicht nur der Zeitplan gerät aus den Fugen – auch die Kosten steigen kontinuierlich.
Während der Finanzierungsvertrag 2009 noch von rund 4,5 Milliarden Euro ausging, belaufen sich die offiziellen Kosten mittlerweile auf über 11 Milliarden Euro. Weitere Verzögerungen könnten die Rechnung nochmals deutlich erhöhen. Die zusätzlichen Milliarden muss nach einem Gerichtsurteil grösstenteils die Deutsche Bahn selbst tragen.
Warum die Schweiz profitiert
Auf den ersten Blick scheint die erneute Verzögerung auch für die Schweiz eine schlechte Nachricht zu sein. Schliesslich nutzen zahlreiche Reisende die Verbindung über Stuttgart Richtung Frankfurt, Berlin oder Hamburg.
Doch die Situation hat eine überraschende Kehrseite.
Die geplante Inbetriebnahme von Stuttgart 21 hätte auch eine umfassende Neuordnung des Fahrplans zur Folge gehabt. Mehrere internationale Verbindungen wären verändert oder vorübergehend eingeschränkt worden. Durch die Verschiebung bleibt das bestehende System vorerst erhalten.
Für Schweizer Fahrgäste bedeutet das vor allem eines: Direkte und eingespielte Verbindungen über den bisherigen Stuttgarter Kopfbahnhof bleiben weiterhin bestehen.
Besonders Reisende auf der Achse Zürich–Stuttgart–Deutschland profitieren kurzfristig von der Stabilität der bekannten Abläufe. Grossangelegte Umstellungen und mögliche Anlaufschwierigkeiten im neuen Bahnknoten werden zunächst vermieden.
Vom Prestigeprojekt zum Dauerproblem
Stuttgart 21 war einst als Vorzeigeprojekt gedacht. Heute gilt es für viele als Sinnbild dafür, wie Grossprojekte aus dem Ruder laufen können.
Die jahrelangen Proteste, die explodierenden Kosten und die immer neuen Terminverschiebungen haben das Vertrauen vieler Menschen erschüttert. Was als Zukunftsvision begann, ist für manche längst zum politischen und planerischen Mahnmal geworden.
Schlechte Nachrichten – mit einem kleinen Lichtblick
Für Deutschland sind die neuesten Entwicklungen ein weiterer Rückschlag. Die Hoffnung auf einen modernen Bahnknoten rückt erneut in die Ferne. Für die Schweiz hingegen ist die Verzögerung zumindest kurzfristig nicht nur negativ. Solange Stuttgart 21 nicht fertiggestellt ist, bleiben die bestehenden internationalen Bahnverbindungen erhalten – ohne zusätzliche Umstellungen und die Risiken eines hektischen Neustarts. Die Deutschen warten also weiter auf ihren Mega-Bahnhof. Und die Schweizer fahren vorerst wie gewohnt weiter.









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