Zweimal Nein beim Bund, klare Ja-Mehrheiten in Luzern und Hochdorf
Die Schweiz verwirft die Neutralitäts- und die Ernährungsinitiative deutlich. Im Kanton Luzern setzt sich bei der Fan-Gewalt der mildere Gegenvorschlag durch, während alle weiteren kantonalen Vorlagen angenommen werden. Hochdorf gibt dem Südiareal und dem neuen Bushof Ost grünes Licht.
Hochdorf, 28. September 2026 – Der Abstimmungssonntag vom 27. September hat auf allen drei politischen Ebenen klare Entscheide gebracht. Während die Schweizer Stimmbevölkerung beide eidgenössischen Volksinitiativen deutlich ablehnte, sagte der Kanton Luzern zu sämtlichen kantonalen Vorlagen Ja. Auch in Hochdorf fanden alle drei kommunalen Geschäfte komfortable Mehrheiten.
Bund: Beide Volksinitiativen deutlich gescheitert
Die Volksinitiative «Wahrung der schweizerischen Neutralität» wurde schweizweit mit 70,15 Prozent Nein-Stimmen verworfen. 29,85 Prozent stimmten der Vorlage zu. In absoluten Zahlen standen 789'130 Ja-Stimmen 1'854'767 Nein-Stimmen gegenüber. Auch das Ständemehr wurde klar verfehlt: Kein einziger Kanton nahm die Initiative an. Die Stimmbeteiligung lag bei 47,06 Prozent.
Die Initiative wollte die immerwährende und bewaffnete Neutralität ausdrücklich in der Bundesverfassung verankern. Zudem hätte sie den Handlungsspielraum der Schweiz bei Sanktionen und bei der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit eingeschränkt. Mit dem Nein bleibt die heutige Neutralitätspolitik unverändert.
Noch deutlicher fiel die Ablehnung der Ernährungsinitiative aus. 72,52 Prozent stimmten Nein, 27,48 Prozent Ja. Die Vorlage erhielt 723'142 Ja- und 1'908'368 Nein-Stimmen und scheiterte ebenfalls in allen Kantonen. Die Stimmbeteiligung betrug 47,03 Prozent.
Die Ernährungsinitiative verlangte unter anderem, den Netto-Selbstversorgungsgrad der Schweiz innerhalb von zehn Jahren auf mindestens 70 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig sollten die pflanzliche Lebensmittelproduktion sowie der Schutz von Trinkwasser, Böden und Biodiversität gestärkt werden. Mit der Ablehnung entsteht daraus kein neuer Verfassungsauftrag.
Auch Hochdorf folgte bei den eidgenössischen Vorlagen dem gesamtschweizerischen Trend – und lehnte beide Initiativen noch etwas deutlicher ab. Die Neutralitätsinitiative erhielt in der Gemeinde 25,86 Prozent Ja-Stimmen, die Ernährungsinitiative 23,40 Prozent. Die lokale Stimmbeteiligung lag bei 50,72 Prozent.
Kanton Luzern: Gegenvorschlag bei der Fan-Gewalt setzt sich durch
Besondere Aufmerksamkeit erhielt im Kanton Luzern das Doppelgeschäft zur Fan-Gewalt. Die Volksinitiative «Gegen Fan-Gewalt» wurde mit 52,8 Prozent Ja-Stimmen knapp angenommen. Der Gegenvorschlag des Kantons erreichte mit 74,8 Prozent jedoch eine deutlich breitere Zustimmung. Da beide Vorlagen angenommen wurden, entschied die Stichfrage: 58,9 Prozent bevorzugten den Gegenvorschlag, 41,1 Prozent die Initiative.
Damit wird der Gegenvorschlag umgesetzt. Die von der Initiative geforderte generelle Ausweispflicht beim Besuch von Fussballspielen kommt nicht. Stattdessen setzt die beschlossene Lösung unter anderem auf mehr Verantwortung der Klubs, Prävention, Dialog, Videoüberwachung und Einzelbewilligungen für Risikospiele.
Auch die drei weiteren kantonalen Vorlagen wurden angenommen. Die Änderung des Ruhetags- und Ladenschlussgesetzes erreichte 55,2 Prozent Ja-Stimmen. Dadurch dürfen kleine unbediente Geschäfte und Hofläden künftig länger geöffnet bleiben. Auch für Läden bei Elektroladestationen und für Gastrobetriebe an Feiertagen gelten flexiblere Regeln.
Die Weiterentwicklung der kantonalen Standortförderung wurde mit 65,1 Prozent gutgeheissen. Für den Sonderkredit zur Erweiterung und Umnutzung der Kantonsschule Reussbühl stimmten 67,6 Prozent. Damit kann die 1970 erbaute Schulanlage für 81,4 Millionen Franken ausgebaut und erneuert werden.
Hochdorf stimmte bei allen kantonalen Geschäften gleich wie die Mehrheit des Kantons. In der Stichfrage zur Fan-Gewalt bevorzugten 51,87 Prozent den Gegenvorschlag. Die Änderung der Ladenöffnungszeiten erhielt in Hochdorf 53,30 Prozent Ja-Stimmen, die Standortförderung 68,02 Prozent und der Sonderkredit für die Kantonsschule Reussbühl 66,63 Prozent.
Hochdorf: Dreimal Ja zu Südiareal und Bushof Ost
Auf kommunaler Ebene lautete das Ergebnis in Hochdorf dreimal Ja. Die Umzonung des Südiareals wurde mit 2'186 Ja- gegen 756 Nein-Stimmen angenommen. Das entspricht einem Ja-Anteil von 74,30 Prozent. Dem dazugehörenden Bebauungsplan stimmten 2'254 Personen zu, 700 lehnten ihn ab. Der Ja-Anteil betrug 76,30 Prozent.
Damit sind die planungsrechtlichen Grundlagen geschaffen, um das rund 84'000 Quadratmeter grosse ehemalige Industrieareal schrittweise zu einem neuen Quartier zu entwickeln. Vorgesehen sind unter anderem Wohnungen, Läden, Arbeitsplätze sowie Sport- und Freizeitangebote.
Auch der Sonderkredit für den Neubau des Bushofs Ost wurde deutlich bewilligt. 2'078 Stimmberechtigte sagten Ja, 933 Nein. Das entspricht 69,01 Prozent Zustimmung. Für 2,6 Millionen Franken soll auf der Ostseite des Bahnhofs ein neuer Bushof mit drei Haltekanten und hindernisfreien Ein- und Ausstiegen entstehen. Nach Beiträgen des Kantons und der SBB verbleiben der Gemeinde voraussichtlich Kosten von rund 780'000 Franken.
Die Beteiligung an den drei kommunalen Abstimmungen lag zwischen 48,70 und 49,13 Prozent.
Ein Abstimmungssonntag mit klaren Signalen
Die Entscheide vom 27. September fallen auf allen Ebenen deutlich aus. Auf Bundesebene lehnt die Bevölkerung neue, verbindliche Vorgaben zur Neutralität und zur Lebensmittelproduktion ab. Der Kanton Luzern setzt dagegen auf gezielte Anpassungen bei Sicherheit, Ladenöffnungszeiten, Standortförderung und Bildung.
In Hochdorf schafft das dreifache Ja die Grundlage für zwei der wichtigsten Entwicklungsprojekte der kommenden Jahre: das Südiareal und den Bushof Ost.
Hinweis: Die eidgenössischen Zahlen entsprechen den provisorischen amtlichen Ergebnissen mit Stand vom 28. September 2026. Quellen: Bundesamt für Statistik, Kanton Luzern und Gemeinde Hochdorf.





Kommentare