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Neuer Seetaler bestellt – GTW steht zum Verkauf

Luzern/Lenzburg. Nach rund drei Jahrzehnten im Einsatz nähern sich die Seetaler-Züge der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) dem Ende ihrer Lebensdauer. Die speziell für die Seetallinie entwickelten Triebzüge des Typs RABe 520 sollen ab Ende 2029 schrittweise durch eine neue Fahrzeuggeneration ersetzt werden. Während die neuen Fahrzeuge bereits bestellt sind, bieten die SBB erste Seetaler-Züge nun über ihre Wiederverkaufsplattform zum Verkauf an.


Für die Seetallinie entwickelt

Die RABe-520-Triebzüge wurden Anfang der 2000er-Jahre als moderne Regionalzüge für die Seetallinie zwischen Luzern und Lenzburg beschafft. Die Fahrzeuge wurden speziell auf die Anforderungen der Strecke abgestimmt und erhielten schmalere Wagenkästen als viele andere Regionalzüge der SBB.


Grund dafür ist das sogenannte Sonderprofil Seetal, welches auf dem Streckenabschnitt zwischen Hitzkirch und Lenzburg gilt. Die historisch gewachsene Infrastruktur auf diesem Abschnitt führte dazu, dass für einen uneingeschränkten Betrieb speziell angepasste Fahrzeuge benötigt wurden. Der Abschnitt zwischen Luzern und Hitzkirch war von diesen Einschränkungen nie betroffen.


Die Seetallinie verbindet zahlreiche Gemeinden in den Kantonen Luzern und Aargau. Heute bedient die S-Bahn-Linie S9 die Stationen Luzern, Emmenbrücke, Emmenbrücke Gersag, Waldibrücke, Eschenbach LU, Ballwil, Hochdorf Schönau, Hochdorf, Baldegg Kloster, Baldegg, Gelfingen, Hitzkirch, Ermensee, Mosen, Beinwil am See, Birrwil, Boniswil, Hallwil, Seon, Seon Nord und Lenzburg.


Nicht nur im Seetal unterwegs

Obwohl die Fahrzeuge eigens für die Seetallinie entwickelt wurden, kamen sie im Laufe ihrer Einsatzzeit regelmässig auch auf anderen Strecken zum Einsatz.


So waren die Seetaler-Züge unter anderem auf der S3 zwischen Luzern, Küssnacht am Rigi, Arth-Goldau, Schwyz und Brunnen anzutreffen, insbesondere tagsüber oder an Wochenenden. Weitere Einsätze erfolgten auf der S9 zwischen Olten und Sissach über die Läufelfingerlinie, auf der S28 zwischen Zofingen, Suhr und Lenzburg sowie auf der S36 zwischen Bülach, Bad Zurzach, Koblenz und Waldshut. Dort ersetzten die Fahrzeuge je nach Betriebslage Thurbo-GTW oder Domino-Züge des Typs RBDe 560.


Trotz dieser Einsätze ausserhalb des Seetals blieb die Strecke Luzern–Lenzburg während der gesamten Einsatzzeit das eigentliche Stammgebiet der Fahrzeuge.


Ein Fahrzeug mit eigenem Charakter

Innerhalb der SBB-Flotte nehmen die Seetaler-Züge eine besondere Stellung ein. Durch ihre Bauweise und ihr Erscheinungsbild unterscheiden sie sich deutlich von anderen Regionalzügen.


Entsprechend unterschiedlich fallen die Meinungen unter Eisenbahnfreunden aus. Während einige die Fahrzeuge als typischen Bestandteil der Seetallinie ansehen, stehen andere ihnen eher kritisch gegenüber. Nicht selten werden die Triebzüge aufgrund ihres Erscheinungsbildes als «grösseres Tram» bezeichnet. Auch die Diskussionen rund um das Sonderprofil Seetal sorgen bis heute für unterschiedliche Ansichten innerhalb der Eisenbahnszene.


Beim Fahrkomfort gehen die Meinungen ebenfalls auseinander. Manche Eisenbahnfans kritisieren die Sitze als vergleichsweise hart und empfinden die Laufeigenschaften der Fahrzeuge als wenig komfortabel. Trotzdem schneiden die Seetaler-Züge in Diskussionen häufig besser ab als die Fernverkehrszüge vom Typ FV-Dosto beziehungsweise Twindexx Swiss Express (RABe 502/RABDe 502), deren Fahrkomfort und Fahrverhalten seit ihrer Einführung regelmässig diskutiert werden. Viele Bahnfans betrachten die Seetaler-Züge deshalb trotz ihrer Schwächen als die angenehmere Alternative.


Unabhängig davon haben die Fahrzeuge den Regionalverkehr im Seetal über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt und täglich tausende Fahrgäste zuverlässig an ihr Ziel gebracht.


Verkauf der ersten Fahrzeuge

Mit Blick auf die bevorstehende Ablösung werden die ersten Seetaler-Züge nun über die Resale-Plattform der SBB zum Verkauf angeboten. Interessierte Unternehmen oder Organisationen können die Fahrzeuge als Occasionen erwerben.


Ob die Triebzüge künftig nochmals im regulären Personenverkehr eingesetzt werden, bleibt offen. Aufgrund ihrer speziellen Bauweise dürfte die Zahl möglicher Käufer begrenzt sein. Denkbar sind Einsätze bei anderen Bahnen, die Nutzung als Ersatzteilspender oder die Erhaltung einzelner Fahrzeuge durch historische Bahnvereine.


Neue Seetaler-Züge ab Ende 2029

Für die Zukunft der Seetallinie haben die SBB bereits die Nachfolge geregelt. Im Jahr 2024 erhielt der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler den Auftrag zur Lieferung von elf neuen Triebzügen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 140 Millionen Franken.

Die neuen Fahrzeuge werden erneut speziell auf die Anforderungen der Strecke Luzern–Lenzburg abgestimmt. Wie ihre Vorgänger müssen auch sie das Sonderprofil Seetal zwischen Hitzkirch und Lenzburg erfüllen und erhalten deshalb ebenfalls schmalere Wagenkästen als herkömmliche Regionalzüge.


Die neuen Züge bestehen aus sieben Wagen und werden mit einer Länge von rund 108 Metern deutlich länger sein als die heutigen Seetaler-Züge. Dadurch können sie den gesamten Betrieb in Einfachtraktion bewältigen und bieten mit 254 Sitzplätzen deutlich mehr Kapazität für die Fahrgäste. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 125 km/h.


Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Barrierefreiheit gelegt. Die Fahrzeuge verfügen sowohl über Einstiege auf 35 Zentimeter Höhe für die tieferen Perrons der Seetallinie als auch über Einstiege auf 55 Zentimeter Höhe für Standardperrons. Damit wird ein möglichst stufenfreier Zugang entlang der gesamten Strecke ermöglicht.


Jeder Zug erhält zwei Rollstuhlplätze, ein rollstuhlgängiges WC mit Wickeltisch sowie erstmals Rollstuhlplätze in der 1. Klasse. Zusätzlich stehen 24 Veloplätze sowie grosszügige Mehrzweckbereiche für Kinderwagen, Gepäck und andere sperrige Gegenstände zur Verfügung.


Auch beim Komfort legen die SBB zu. Die neuen Fahrzeuge erhalten moderne Fahrgastinformationssysteme, Steckdosen in beiden Klassen sowie einen verbesserten Mobilfunkempfang.


Die Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuge ist ab Ende 2029 vorgesehen. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2029 beziehungsweise für das Fahrplanjahr 2030 sollen die neuen Züge schrittweise den regulären Betrieb übernehmen.


Lebensdauer erreicht

Die Ablösung der heutigen Seetaler-Züge erfolgt nicht aufgrund technischer Probleme. Die Fahrzeuge wurden während ihrer Einsatzzeit regelmässig modernisiert und umfassend revidiert. Dennoch erreichen sie nach rund 30 Betriebsjahren das Ende ihrer vorgesehenen Lebensdauer.


Mit der Beschaffung der neuen Stadler-Züge investieren die SBB langfristig in die Zukunft des Regionalverkehrs im Seetal. Für die heutigen Seetaler-Züge beginnt damit langsam das letzte Kapitel ihrer Einsatzgeschichte.


Ab Ende 2029 werden die markanten Triebzüge nach und nach aus dem planmässigen Verkehr verschwinden. Damit endet die Geschichte einer Fahrzeuggeneration, die speziell für die Anforderungen der Seetallinie entwickelt wurde und während Jahrzehnten ein vertrauter Bestandteil des Regionalverkehrs zwischen Luzern und Lenzburg war.



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